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<title>Film und Buch - OliBlog</title>
<link>http://oliblog.blogg.de/</link>
<description>Rezensionen und Kommentare zu Buch und Film.</description>
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<lastBuildDate>Fri, 12 Mar 2010 12:29:18 +0100</lastBuildDate>
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<title>Gelesen: The Best Science Fiction of the Year: Twenty-Sixth Annual Collection</title>
<link>http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=2302</link>
<description><![CDATA[<b>Anthologie von Gardner Dozois,</b><br />
687 S., Paperback, St. Martin's Griffin/N.Y. 2009, ISBN 978-031255105-6, ca. EUR 15,40<br />
<br />
<A HREF="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0312551053/oliblog-21" target=_blank ><img src="http://data.blogg.de/7644/images/Years_Best_SF_26_Cover.jpg" alt="" align=left /></A>Pünktlich wie immer legte Gardner Dozois im Frühsommer 2009 seinen 26 Anthologie-Monolithen mit den besten SF-Kurzgeschichten des letzten Jahres vor. Wie immer bekommt man Schwindel erregend viel Masse für sein Geld, nämlich satte 30 Geschichten auf über 600 großen, eng bedruckten Seiten. Vielleicht sogar zu viel des Guten, denn aufgrund der sehr großen Seiten ist der Lesefluss langsam und die zu bewältigende Masse wirkt um so gewaltiger. Ist man dann durch und blättert zum Inhaltsverzeichnis zurück, kommt man nicht umhin, Herausgeber Dozois auch einmal Anerkennung dafür zu zollen, wie penibel er in verschiedenen Richtungen auf Ausgewogenheit achtet: Kürzere und längere Texte, jedes SF-Subgenre wenn möglich berücksichtigend, älterer Autoren-Veteranen und junge Talente gleichfalls im Auge behaltend und aus allen drei wichtigen Publikationsformen (Magazine, Buch-Anthologien, Online-Publikationen) in ungefähr gleichem Maße schöpfend. Das muss der Verlag ja nicht hören, sprechen wir etwas leiser: Selbst für den doppelten Preis würde das Preis/Leistungsverhältnis hier noch stimmen. <br /><br /> Seit auch Jonathan Strahan einen entsprechenden Jahresband vorlegt, jährt sich jedes Jahr leider auch das folgende Problem: Da Strahan cleverer Weise bereits schon immer im Frühjahr mit seinem Band auf dem Markt ist (na gut, der letztjährige Band hatte Verspätung, die dieses Jahr aber wieder aufgeholt wurde), kennt man dann, im Jahreskreis beim Dozois angekommen, viele der Story-Highlights leider schon, dazu wieder gleich. Steigen wir ein, wobei es wohl sowohl für Rezensent, als auch für Leser ermüdend ist, wenn alle dreißig Geschichten einzeln berücksichtigt werden, Dozois wählte aus, wählen wir weiter aus. Konzentrieren wir uns auf die wirklich nennenswerten Geschichten, alle enttäuschenden werden gleich kurz abgehakt, die nicht heraus ragenden müssen mit Anschweigen leben.<br />
<br />
Verteilen wir kurz und schmerzlos die Himbeeren an die enttäuschenden Geschichten: Alastair Reynolds' <B>“The Six Directions of Space</B> ist eine fußlahme Space Opera mit einer uralten Idee. Dass das Singularity-Thema langsam nervt und anstrengt, beweist <B>„His Masters Voice“ </B> von Hannu Rajaniemi und <B>“The Ray Gun: A Love Story"</B> von James Alan Gardner beweist eigentlich nur, dass die ungewöhnliche Perspektive aus Sicht einer Strahlenwaffe nichts hergibt, der arg selbstgefällige Stil des Autors hilft da auch nicht unbedingt weiter.<br />
<br />
Nun aber schnell zu den Höhepunkten des Bandes, und damit auch zum Strahan-Problem zurück: Drei der vier besten Geschichten dieses Bandes wurden bereits bei der Strahan-Besprechung seines dritten Jahresbandes gewürdigt, so dass hier aus Abkürzungsgründen einfach darauf <a href="http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=2209" target=_blank>verwiesen werden kann.</a>. Das gilt sowohl für Michael Swanwicks <b>„From Babel’s Fall’n Glory We Fled“</B>, ein kleiner Geniestreich, für welchen Swanwick eine Alien-Sprache durch logische Operatoren wieder gibt und aus der Sicht eines Raumanzuges(!) schreibt, als auch für Greg Egans brillante Story <b>„Crystal Nights“</b> um künstliche Intelligenz (bei der Simulation eines Krabbenvolkes), die über ihren Schöpfer hinaus wachsen soll. <br />
<br />
Ein paar Worte mehr sollen aber trotzdem zu Paolo Bacigalupis <b>„The Gambler“</b> verloren werden, die ich aufgrund steigender Hochachtung inzwischen schon drei Mal gelesen habe und die vielleicht tatsächlich die beste Geschichte des Bandes ist. In meiner Besprechung rezensierte ich „The Gambler“ als Beschreibung zukünftiger Nachrichtenagenturen, die in ihrer ‚klarsichtigen, elektrisierenden, flirrenden Hektik einmal mehr glanzvoll’ sei. Auch nach der dritten Lektüre kann ich mich gar nicht satt lesen daran, wie Bacigalupi dies beschreibt, das ist meisterliche SF und soll hier durch eine Passage wieder gegeben werden, in welcher die Hauptfigur, ein in Laos geborener, investigativer Journalist, ihren amerikanischen Arbeitsplatz beschreibt:<br />
<br />
<b><i>„Every week I go to temple and pray for them, light incense and make a triple bow to Buddha, Damma, and Sangha, and pray that they may have a good rebirth, and then I step into the light and noise and vibrancy of America.<br />
My colleagues’ faces flicker gray and pale in the light of their computers and tablets. The tap of their keyboards fills the newsroom as they pass content down the workflow chain and then, with a final keystroke and an obeisance to the “publish” button, they hurl it on the net.<br />
In the maelstrom, their work flares, tagged with site location, content tags, and social poke data. Blooms of color, codes for media conglomerates: shades of blue and Mickey Mouse ears for Disney-Bertelsmann. A red-rimmed pair of rainbow O’s for Google’s AOL News. Fox News Corp. in pinstripes gray and white. Green for us: Milestone Media – a combination of NTT DoCoMo, the Korean gaming consortium Hyundai-Kubu, and the smoking remains of the New York Times Company. There are others, smaller stars, Crayola shades flaring and brightening, but we are the most important. The monarchs of this universe of light and color.” </i></b><br />
<br />
Bei dieser Beschreibung einer zukünftigen Nachrichtenwelt schreibt nicht ein Autor über die Zukunft, sondern spürbar bereits aus dieser Zukunft. Wunderbar, ganz wunderbar.<br />
<br />
Der vierte und letzte Höhepunkt des Bandes fand sich dann mal in der Strahan-Antho nicht, Ian McDonalds <B>“The Tear“</B>. Wie schon in einigen Jahren zuvor gebührt McDonald wieder die Ehre, gleich mit zwei Geschichten in diesem Band vertreten zu sein und wieder ist es eine Indien-Story, <B>„An Eligible Boy“</B>, an deren wunderbare Stimmung und Güte man sich fast inzwischen gewöhnt hat, und wieder ist es mit <B>„The Tear“</B>  eine Space Opera. Und was für eine. Beginnend auf einer Wasserwelt werden die Protagonisten am Ende so was wie, ja, das Universum an sich. Was McDonald hier in Form einer Novelle an Ideen verhandelt, raubt einem Schlicht den Atem. Aber, Warnung: Auch wenn McDonald wohl im kleinen Finger mehr Talent hat, als ein Dutzend seiner Kollegen zusammen: Das ist immer richtige Arbeit für den Leser: Mit ungewöhnlichen Namen, vielen Neologismen, komplexen Satzstrukturen und Beschreibungen und wirklich wilden Ideen eignet sich McDonald wahrlich nicht als Zug- oder Einschlaflektüre, so was wie „The Tear“ muss man konzentriert und am besten mit mehreren Tassen Tee daneben lesen. Dafür wird man aber mehr als reichlich entlohnt. Wie? Kann man das beschreiben? Ja. Dafür reicht alleine schon das Zitat des Eröffnungssatzes. Dieser Satz ist schöner, gewichtiger und gewaltiger als vieles, was manche von McDonalds SF-Kollegen in ihrem ganzen Leben zusammenschreiben, da hält man fast erst einmal inne, so zauberhaft ist dieser Satz:<br />
<br />
<b><I>“On the night that Ptey voyaged to have his soul shattered, eight hundred stars set sail across the sky.“ </I></b><br />
<br />
Eigentlich könnte man da als Leser schon fast aufhören; weil man schon durch diesen Satz glücklich gemacht wurde. Da braucht man den Rest der Story fast gar nicht. Fast.<br />
<br />
Welche Geschichten verdienen noch eine Erwähnung? <br />
<br />
Zunächst, bereits im <a href="http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=2209" target=_blank> Strahan besprochen (bitte dort genauer nachlesen)</a> und lesenswert sind <B>“Turing’s Apples“</B> von Stephen Baxter, <B>“Five Thrillers“</B> von Robert Reed und <B>“Special Economics“</B> von Maureen McHugh.<br />
<br />
Zwei Space Operas können vor allem stilistisch überzeugen und bauen eine gelungene Stimmung auf: Die Bioraumschiff-Story <B>„Boojum“</B> von Elizabeth Bear & Sarah Monette und die lesbische SF-Story <B>“The Voyage Out“</B> von Gwyneth Jones. <br />
Wie McDonald ebenfalls mit zwei Geschichten vertreten ist Paul McAuley, und beide Geschichten lesen sich gut. Die YA-Space Opera (YA steht für Young Adult, also Jugend-Buch, oder im schönsten Deutsch: ‚All Age’-Buch) <B>“Incomers“</B> zeigt, warum YA-SF  auch für Erwachsene lesenswert ist: Weil man durch die Augen der jugendlichen Protagonisten (die einen Kräuterhändler für einen Spion halten) zu sehen bekommt, dass das Universum voller Wunder ist, etwas, was in nüchterneren Geschichten für erwachsene Leser häufig zu kurz kommt. Seine zweite Geschichte <B>“City of the Dead“</B> richtet sich in ihrer grimmigen, ruppig-brutalen Art eher an Erwachsene, ist aber auch spannend geschrieben. <br />
Ted Kosmatka schreibt mit <B>“N-Words“</B> einmal mehr eine politische Parabel, diesmal um Ausgrenzung und Fremdenhass um geklonte Neandertaler aus Korea (sic!). Kristine Kathryn Rush erzählt in <B>“G-Men“</B> einen kontrafaktischen Krimi um einen Mord an J. Edgar Hoover kurz nach der Tötung von JFK, Robert Kennedy ermittelt. Stilistisch beschwört Rush exzellent eine Krimi-Atmosphäre, nur die Auflösung enttäuscht ein ganz klein wenig. <br />
Bei <B>“The Erdman Nexus“</B> weiß man beim Namen der Autorin Nancy Kress schon, was man bekommt: Exzellentes Handwerk und wenig neue Ideen. Ihre Geschichte um Senioren in einem Altenheim, deren Geist Kontakt zu Aliens erhält, ist, da gibt es nichts, fabelhaft und berührend erzählt, dem alten SF-Topos ringt Kress aber keine originellen Aspekte ab. Lesenswert ist ihr Text trotzdem, Kress ist und bleibt ein großes Erzähltalent, da macht ihr niemand was vor. <br />
<br />
Es muss am Ende dieser Besprechung nicht mehr erwähnt werden, dass fast jeder des Englischen mächtige SF-Fan, der sich für aktuelle angloamerikanische SF interessiert, diesen Band haben sollte, ja muss. Oder?<br />
<br />
<br />
<br />
---<br />
Cover: St. Martin's Press]]></description>
<pubDate>Fri, 12 Mar 2010 12:29:18 +0100</pubDate>
<dc:creator>Oliverj63</dc:creator>
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<title>Gesehen: Das weiße Band</title>
<link>http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=2301</link>
<description><![CDATA[Drama von Michael Haneke, DTL/AUT/FRA/ITA 2009, 144m10s (24fps)<br />
Mit Burghart Klaußner, Christian Friedel, Leonie Benesch u.a.<br />
Blu-Ray, Sprache/Tonformat: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Bidlformat: 1080p 1,85:1 anamorph<br />
<br />
<A HREF="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B003156064/oliblog-21" target=_blank ><img src="http://data.blogg.de/7644/images/Das_weisse_Band_Cover.jpg" alt="" align=left /></A>Nach dick aufgetragenen Momenten einer Kleinstadtidylle fährt die Kamera über eine Wiese, dann unter die Wiese. Unter der Oberfläche der Wiese sehen wir dann in Großaufnahme Maden und Gewürm, die auf der Tonspur einen gewaltigen, unangenehmen Lärm veranstalten und einen grellen Kontrast zu dem Pastell-Grün der Aufnahmen von der Wiese darstellen. Nein, dies ist nicht der Anfang des Schwarzweißfilms „Das weiße Band“, sondern von David Lynchs „Blue Velvet (1986)“. Das Bild von den Maden unter der Oberfläche würde aber auch perfekt als Einrahmung und Thema-Vorgabe zu Michael Hanekes jüngsten, hier besprochenen Film passen. Neben dem Unterschied Farbe-Schwarzweiß zu „Blue Velvet“ gibt es aber noch einen weiteren, sehr großen, so dass wir mit dem Vergleich zwischen diesen beiden Filmen jetzt schnell aufhören: „Das weiße Band“ versucht nicht mal, eine Idylle in dem norddeutschen Dorf kurz vor dem ersten Weltkrieg zu beschreiben, in welchem dieser Film spielt, im Gegenteil: Selten hat ein Film dörfliche,  beklemmende Enge so intensiv eingefangen.  <br /><br /> Auch das noch vorweg: Wer meint, dass Michael Haneke, auf die 70. zugehend, mit diesem Historiendrama, seinem bisher längsten, aufwändigsten und teuersten Film, langsam altersmilde wird, der wird sich in „Das weiße Band“ kräftig täuschen. Mit historischer Verklärung oder Verbrämung ist hier gar nichts, Hanekes jüngster Film ist ebenso sperrig und widerborstig wie viele seine Kinowerke. <br />
<br />
Die Geschichte wird in Gang gesetzt durch eine Reihe von Unglücksfällen und, ja, fast Anschlägen in diesem norddeutschen Dorf, die die Menschen in Atem halten: Der Dorfarzt stürzt mit seinem Pferd schwer, weil jemand ein Seil gespannt hat, so dass das arme Tier darüber stolpert und elendig verendet. Eine Frau stirbt bei einem Unfall in einem Sägewerk. Die Ernte wird teilweise vernichtet. Eine Scheune brennt. Der Sohn des Großgrundbesitzers wird verprügelt. Ein geistig behinderter Junge wird grausam misshandelt. Wer steckt hinter all den Taten? <br />
<br />
Ein Krimi ist „Das weiße Band“ nicht, auch wenn die Auflösung durchaus zentral für den Film ist. Beschrieben wird eher eine Art Dorf-Hölle, in welcher alle Charaktere, insbesondere die Honoratioren des Dorfes, nur oberflächlich honorig sind, unter der Oberfläche tun sich aber Abgründe auf: Der Großgrundbesitzer ist ein erkalteter Ignorant, der Dorfarzt zerfressen von Selbsthass, den er an einer Frau auslässt, die seine Geliebte, Haushälterin, Hebamme und Mitarbeiterin in einer Person ist, und der Dorfpfarrer exerziert an seinen Kindern grausame Strafrituale, um sie von Sünde rein zu waschen. Erzählt wird dies alles aus Sicht des Dorflehrers, im Film ein junger Mann, der als alter Mann auch den Off-Erzähler gibt, und der zarte Bande zu einem Kindermädchen knüpft, so dass nicht alle Episoden in diesem Film gnadenlos düster sind. Mit großer Meisterschaft verknüpft Haneke diese Episoden, so dass sich über fast zweieinhalb Stunden ein sehr flüssiger Erzählfluss einstellt. Meisterlich sind ebenfalls die Bildgestaltung von Christian Berger und die Ausstattung, beide von erlesener, staunenswerter Sorgfalt und Prägnanz, und Hanekes Inszenierung, insbesondere seine Schauspielführung. Haneke erweist sich dabei als großer Kinderregisseur, was er insbesondere den kleineren Darstellern teilweise für Momente entlockt, ist manchmal frappierend. <br />
<br />
Viel Beachtung unter Filmfreunden fand letztes Jahr ein über den Perlentaucher geführter verbaler Disput (auch <a href="http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=2215" target=_blank>hier im Blog erwähnt</a>) zwischen einem Vertreter der jungen Filmkritiker-Generation, Ekkehard Knörer, und dem Veteranen Wolfram Schütte. Knörer hatte Hanekes Film scharf angegriffen, Schütte ihn verteidigt. Als Haneke-Anhänger hatte der Verfasser dieser Zeilen seine Sympathie gleich gegen Ekkehad Knörer in Stellung gebracht, nach Sichtung des Films ist hier aber Abbitte zu leisten: Knörers Analyse muss man nicht folgen, nicht zu verkennen ist aber, dass sie sehr scharfsichtig und intelligent ist. Knörer wirft Haneke vor, ein Diktator zu sein, der dem Publikum genau vorgibt, wie es seinen Film zu lesen hat. Das ist wahr (auch wenn das Ende scheinbar offen ist). „Das weiße Band“ ist kein Film, der dem Zuschauer vielschichtig seine eigene Wertung überlässt, sondern der auf engen Gleisen ganz klar eine Aussage vertritt, nämlich: Eine verabsolutierte, autoritäre Erziehung gebiert Monstren (wodurch der Film, in unserer heutigen Zeit, in welcher Kinder-Tyrannen-Bücher Bestseller sind, seltsam aus der Zeit gefallen wirkt..). An dieser deutlichen Aussage lässt der Film keinen Zweifel und die größte Schwäche des Films ist durchaus, dass Hanekes Konzept, welches eher Typen (der Lehrer, der Pfarrer, der Dorfarzt) denn Charaktere vorsieht nicht anders kann, als einige der auftretenden Figuren schon fast schrill-karikaturhaft eindimensional zu zeichnen, was insbesondere auf den von Burghardt Klausener ansonsten brillant verkörperten Pastor zutrifft. Knörer arbeitet dann eine Analogie heraus, die beneidenswert scharfsichtig auf Haneke zutrifft: So wie der Pfarrer seine Kinder bestraft um sie von Sünde reinzuwaschen, bestraft Haneke immer wieder sein Publikum (Motto: ‚Medizin muss bitter schmecken’) um es ebenfalls zu läutern, das trifft auf sehr viele seiner Werke zu und wird von ihm (u.a. bei „Funny Games“) auch ganz offen eingeräumt. Ob dies ein funktionierender künstlersicher Ansatz ist, darüber kann man reichlich disputieren.<br />
Wo man Ekkehard Knörer aber nicht folgen muss und weshalb man „Das weiße Band“ durchaus sehr schätzen kann, was auch hier geschieht: Knörer begeht selbst den Fehler zu verabsolutieren, denn Filme können vielschichtig und mehrdeutig lesbar sein und profitieren häufig davon, sie müssen es aber nicht, wie er meint. Eine moralische Fabel, wie „Das weiße Band“ eine ist, darf einseitig sein und durchaus eindimensional zeichnen um ihr Anliegen deutlicher zu formulieren; auch wenn etwas mehr Vielschichtigkeit vielleicht begrüßenswert gewesen wäre, ist dies kein Grund, den Film deswegen vollständig abzulehnen (Knörer prägnant und knapp: „Nö, nicht mit mir“), oh nein. Ferner verliert Ekkehard Knörers Argumentation dramatisch an Gewicht dadurch, dass er sich freilich Willkür vorwerfen lassen muss. Denn wenn ihm ein Thema ideologisch besser passt, hat er plötzlich mit extrem einseitigen und auf ihre Art und Weise ebenfalls diktatorischen Filmen überhaupt kein Problem mehr, wie mit Michael Moores „Capitalism: A Love Story“, wo er zwar diese Einseitigkeit in seiner Besprechung ebenfalls benennt, damit aber offensichtlich keine Probleme zu haben scheint.<br />
<br />
„Das weiße Band“ gewann sehr viele Auszeichnungen, die sich Michael Haneke dem Vernehmen nach bereits für „Caché“ 2005 gewünscht hätte. Und tatsächlich bleibt wohl „Caché“ Hanekes bester Film - dessen Stimmigkeit und abgerundeten künstlerischen Gesamteindruck erreicht dieser Film hier nicht. Ein inhaltlich hoch interessanter, beklemmend dichter, gestalterisch imponierender, unvergesslicher Michael Haneke-Film ist der beeindruckende „Das weiße Band“ trotzdem.<br />
<br />
Punkte: 8/10.<br />
<br />
<br />
Die deutsche Blu-Ray enthält sicherlich aus lizenzrechtlichen Gründen auch nur deutsche Untertiel für die deutsche Tonspur, sowie ein fast einstündiges Portrait von Michael Haneke und die Pressekonferenz in Cannes aus dem letzten Jahr. Die bestechende Schwarzweißfotografie gibt der blaue Silberling beeindruckend wieder.<br />
<br />
<br />
---<br />
Anbieter/Cover: X-Filme/Warner<br />
Der Link hinter dem Cover führt zur Amazon-de Produktseite der deutschen Blu-Ray. ]]></description>
<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 10:43:27 +0100</pubDate>
<dc:creator>Oliverj63</dc:creator>
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<title>Oscars 2010 - Liveblogging</title>
<link>http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=2300</link>
<description><![CDATA[Wenn nichts dazwischenkommt, werde ich mich heute Nacht auch mal im Live-Blogging versuchen und die Oscar-Verleihung hier kommentieren. <br />
<br />
<i>neuester Eintrag oben, chronologisch also bitte von unten nach oben lesen </i> <br /><br /> 6.02 Uhr Nette, nicht großartige Show, guter Ausgang. Hat sich also gelohnt, aufzubleiben. Jetzt noch etwas pennen, dann wieder das, was man "Alltag" nennt. Over and out.<br />
<br />
6.00 Uhr Dann natürlich auch Bester Film an "The Hurt Locker". Wir halten fest: Hurt Locker 6, Avatar 3, Precious & Up  & Crazy Heart jeweils 2.<br />
<br />
5.56 Uhr. Geil-o-mat. Kathryn Bigelow bekommt den Regie-Oscar. Und kein blöder Frauen-Quoten-Mist, sondern absolut verdient. Die Regie-Leistung von ihr war sagenhaft.<br />
<br />
5.50 Uhr. Das finde ich wunderbar: Sandra Bullock hat gestern die Himbeere (für "All About Steve") und heute den Oscar (für "The Blind Side") abgeholt, beide persönlich. Das wird wohl in der Filmgeschichte einmalig bleiben. Finde ich sehr, sehr lässig. Und ihr Spruch war klasse: "Did I really earn this or did I just wear you all down?" Sie hat gestern auch eine sensationell gute Razzie-Rede gehalten. Und jetzt bricht sie gerade in Tränen aus..<br />
<br />
5.42 Uhr Jetzt das ganze Geseier noch mal für die Frauen. Mal sehen. Ich fände es klasse, wenn Sandra Bullock sich sowohl Razzie, als auch Oscar an einem Wochenende abholt. Bitte nicht Meryl Streep, das wäre echt langweilig.<br />
<br />
5.34 Uhr Bester Hauptdarsteller. Wie erwartet Jeff Bridges. Damit steht fest: "Up in the Air" ist der große Verlierer des Abends.<br />
<br />
5.31 Uhr Die Beweihräucherungsreden für die besten Darsteller fand ich letztes Jahr schon nicht so glücklich: Viel zu lang und zu dick aufgetragen. Erwähnte ich zu lang?<br />
<br />
5.30 Uhr Mr. Mechanic, sie haben ihr Versprechen gebrochen. Die Show ist jetzt 3h+, sie überzieht. Von wegen "auf jeden Fall unter drei Stunden".<br />
<br />
5.16 Uhr SEUFZ. SEUFZ. Wie letztes Jahr (als der japanische Film "Nokan" gewann) eine Riesen-Überraschung beim Auslands-Oscar, der argentinische Außenseiter gewinnt. Seufz. Tut mir leid für Haneke, das hätte ich ihm echt gegönnt.<br />
<br />
5.15 Uhr Jetzt. Michael Haneke. Bitte, bitte.<br />
<br />
5.10 Uhr Montage-Oscar für Hurt Locker. Für Bob Murawski (und seine Frau), der "Hard Target" geschnitten hat, der vielleicht immer noch am besten montierte US-Action-Film aller Zeiten.  Sehr schön. Das könnte nun kein Avatar-Abend werden. James Cameron guckte eben schon eher säuerlich hinter Mrs. Bigelow sitzend. Also: Avatar-Hurt Locker 3:4<br />
<br />
4.55 Uhr Kurze Werbepause. Gucken wir mal zurück: Bisher keine großen Überraschungen (die Drehbuch-Oscars waren zwei kleine). Noch ist nicht klar, ob das ein Cameron- oder Bigelow-Abend wird. Ansonsten? Nette, aber nicht heraus ragende Show. Und George Clooney guckt immer angefressen. Der arme. Für "Up in the Air" sieht es nicht sehr gut aus, der könnte sogar eine Null ziehen. <br />
<br />
4.55 Uhr Der größte Selbstgänger der Oscar-Geschichte: Visual Effects für "Avatar". Damit sind wir bei Avatar-Hurt Locker 3:3. <br />
<br />
4.53 Uhr Musik, keine Überraschung: "Up". Das war mehr oder weniger klar, da ist die Academy sehr vorhersehbar. <br />
<br />
4.49 Uhr Wie die bis 5.30 Uhr fertig sein wollen, sehe ich noch nicht. Ob Oscar-Produzent Bill Mechanic da sein Versprechen (wir bleiben unter drei Stunden) brechen muss?<br />
<br />
4.42 Uhr Der Clip der Verstorbenen. Durch die Split-Screen besser als früher. Traurig-schön.<br />
<br />
4.34 Uhr Ok, Rebound. Trotz extrem starker Konkurrenz durch "The Hurt Locker" und "Das weiße Band" hat "Avatar" den Kamera-Oscar gewonnen. Damit ist Avatar wieder im Rennen. 2:3<br />
<br />
4.29 Uhr Ui, zweites direktes Duell zwischen Avatar-Hurt Locker beim Sound Mixing. Und ein Upset: Oscar an Hurt Locker. Avatar-Hurt Locker 1:3 <br />
<br />
4.26 Uhr Ui, erstes direktes Duell zwischen Avatar-Hurt Locker beim Sound Editing. Und ein Upset: Oscar an Hurt Locker. Avatar-Hurt Locker 1:2 <br />
<br />
4. 19 Uhr Ein Tribut an Horror-Filme, klasse. Und eine sagenhaft lustige Paranormal Activity-Hommage mit Martin & Baldwin.<br />
<br />
4.13 Uhr Kostüme an "Young Victoria". Recht abgeklärte Rede. Für Terry Gilliam wird das wohl dieses Jahr nix. <br />
<br />
4.08 Uhr Anderthalb Stunden hat es gedauert. Erster Oscar für "Avatar". Für Sets/künstlerische Gestaltung. Avatar-Hurt Locker 1:1<br />
<br />
4.02 Uhr Beste Nebendarstellerin erwartungsagemäß an Mo'nique für "Precious". Anrührende, schöne Rede.<br />
Damit geht Precious kurzfristig mit zwei Oscars heute Abend in Führung. <br />
 <br />
3.50 Uhr Zweiter Drehbuch-Oscar, zweite Überraschung. Oscar adaptiertes Drehbuch für "Precious". Der klare Favorit "Up in the Air" geht da leer aus. Das wird nicht der Abend für "Up in the Air". Sorry, Mr. Clooney. Gönne ich ihm aber, er guckt heute abend sehr angefressen, das nervt etwas.<br />
<br />
3.45 Uhr Zwischenstand: Immer noch kein Film mit mehr als einer Oscar-Nominierung. <br />
<br />
3.42 Uhr WOW! Immerhin ein Oscar für Star Trek! Make-Up. Die anderen drei Kategorien kann sich J.J. Abrams und Star Trek abschminken, bei Tonmix, Tonschnitt und FX werden die gegen Avatar keinen Stich sehen..<br />
<br />
3.36 Uhr Oha, die Leute vom besten Dokumentarkurzfilm (nicht gerade die Hauptkategorie heute Abend..) finden bei der Dankesrede kein Ende und werden von der Bühne musiziert.<br />
Der Vollständigkeit halber die Kurzen Filme:<br />
Animated Short: Logorama<br />
Live Action Short: The New Tenants<br />
Documentary Short: Music by Prudence<br />
<br />
3.32 Uhr Animierter Kurzfilm. Kein Oscar für Wallace & Gromit. Zu recht. "A Matter of Loaf and Death" war eher schwach.<br />
<br />
3.22. Uhr Jetzt läuft eine Hommage an den Komödien-Schöpfer John Hughes. Da habe ich, obwohl Kind der 80er, keinen großen Bezug zu. Auch wenn es cool war, in einem Hommage-Clip "Love Missile F1-11" von Sigue Sigue Sputnik zu hören. <br />
<br />
3.21 Uhr Nachtrag zum Drehbuch-Oscar: Quentin Tarantino ist kein großer Schauspieler. Dass nicht er für IB, sondern The Hurt Locker den Drehbuch-Oscar gewonnen hat, stank ihm. Ziemlich. Das sah man.<br />
<br />
3.15 Uhr Wow, erste Semi-Überraschung: Drehbuch-Oscar für "The Hurt Locker". Das war eine starke Kategorie und "The Hurt Locker" nicht unbedingt der Front-Runner. Also: Avatar-Hurt Locker 0:1. Anrührende Rede. Und es ist schön, Kathryn Bigelow strahlen zu sehen. Das könnte auch ein Indiz für einen Hurt Locker-Abend sein. Könnte...<br />
<br />
3.05 Uhr Vertreiben wir uns die Zeit, etwas Statistik: Bisher ein Oscar für Inglorious Basterds, Up und Crazy Heart, die damit in Führung gehen. Avatar und The Hurt Locker waren trotz jeweils neun Nominierungen noch in keiner Kategorie im Rennen, das wird sich jetzt sehr bald ändern..<br />
<br />
3.02 Uhr Nun bester Song. Die tradionell größte Göbel-Kategorie jedes Jahr. Scheint dieses Jahr wieder ähnlich zu sein. Wird wohl der Song aus Crazy Heart. Ja, so ist es. <br />
<br />
3.00 Uhr. Animations-Oscar. Up? Up. Auch hier hat niemand eine Überraschung erwartet.<br />
<br />
3.00 Uhr Kleiner Server-Ausfall hier im Blog. Super. Falls hier irgendwann nichts mehr passiert..<br />
<br />
2.47 Uhr Nun erster Oscar endlich. Bester Nebendarsteller. Christoph Waltz? Christoph Waltz. War klar. Eine bemerkenswerte und erinnerungswürdige Rolle, hier hat niemand eine Überraschung erwartet.<br />
<br />
2.41 Uhr Martin & Baldwin reißen ihre Anfangs-Witze. Manche sind ziemlich gut, manche nicht. Der Gag, bei der Einblendung von James Cameron 3D-Brillen aufzusetzen, klasse. ;o)<br />
<br />
2.34 Uhr Gesangeinlage vorbei, jetzt betreten Alec Baldwin und Steve Martin die Bühne. Cool.<br />
<br />
2.33 Titanic- und Oscar-Produzent Bill Mechanic hatte angekündigt, dass man durch deutlich kürzere Wege im Publikum Zeit einspart. Dies kann man auch sehen, das Publikum vorne ist geschickt gruppiert und durch Gänge separiert. Hat was. <br />
<br />
2.31 Uhr Als erstes betreten die nominierten Schauspieler die Bühne. Da mich Schauspieler nicht so interessieren, nervt mich die Schauspieler-Zentrik grundsätzlich eher. Erstmal noch ein Tee.<br />
<br />
2.30 Uhr. Here we go. Wie sich das gehört: Super-Pünktlich. Die Show läuft.<br />
<br />
2.29 Uhr. Mal sehen, wen wir heute als Präsentatoren für Statuetten sehen. Was schon bekannt ist: Tarantino und Almodóvar präsentieren den Auslandsfilm-Oscar. Und Tyler Perry hat auch angekündigt, dass er Presenter ist. Noch eine Minute...<br />
<br />
2.27 Uhr. Ok, von vorne. In drei Minuten geht es los. Wie konnte ich nur eine Verspätung annehmen? Solche US-Shows sind IMMER pünktlich. Ich brauche mehr Tee, das Hirn muss jetzt langsam hochfahren. <br />
<br />
2.14 Uhr YARGH! Eben eine Einblendung: Die Show fängt wohl erst 2.30 Uhr an. ARGH! Zu früh aufgestanden. Das war IIRC schon letztes Jahr so, wieso falle ich denn da schon wieder drauf rein?!<br />
<br />
2.10 Uhr Beginn nun 10 Minuten überzogen. So unpünktlich sind die selten. Immer noch Red Carpet-Waschweibergeschwätz. Worauf warten die denn dieses Jahr? <br />
<br />
2.04 Uhr. Kleine Verspätung. Müsste jede Sekunde losgehen. Avatar oder Hurt Locker? Jeder fragt sich das. Oder doch ein lachender dritter? Wenn jemand vom ehemaligen Ehepaar Cameron/Bigelow gewinnt, freue ich mich auf jeden Fall. Die Spannung steigt. Jetzt. Wirklich. Jede Sekunde. Erstmal Tee einschenken.<br />
<br />
1.55 Uhr Ok, Liste abarbeiten.<br />
Glotze auf PRO 7 gestellt?. Check. Urgs. Steven Gätjen. Ächz.<br />
Computer an? (Offensichtlich) Check.<br />
Thermoskanne mit Ingwer-Zitronentee? Check.<br />
Kinder-Riegel am Start? Check. Kann losgehen.<br />
<br />
1.50 Uhr Wecker klingelt. Wieder aufstehen<br />
<br />
23.45 Uhr Erstmal jetzt noch zwei Stunden auf die Schnelle Kampfratzen<br />
<br />
23.40 Uhr "Das weiße Band" vorbei. Ziemlich beeindruckend, aber auch, typisch Haneke, durchaus sperrig und widerborstig. Ob die Oscar-Abstimmenden einen Film lieben werden, der nicht gerade als Feelgood-Film geliebt werden möchte?<br />
<br />
21.15 Uhr Heute erstmals also Live-Blogging auch von mir. Noch gut sechs Stunden  hin, erstmal nun die deutsche Oscar-Hoffnung "Das weiße Band" auf Blu-Ray. Als großer Haneke-Fan würde ich es ihm natürlich von Herzen gönne. Und ich weiß: Er wird beleidigt sein, wenn er übergangen wird. ;o) ]]></description>
<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 19:22:52 +0100</pubDate>
<dc:creator>Oliverj63</dc:creator>
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<title>Schönes Wochenende</title>
<link>http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=2299</link>
<description><![CDATA[Es hat leider nicht mehr zu einem vollständigen Eintrag heute gereicht. Warum das ‚Filzlaus’-Remake “Der Killer und die Nervensäge“ etwas enttäuschend ist, werde ich also erst demnächst schreiben können.<br />
Das Wochenende wird filmtechnisch wohl sehr interessant: Ich kann endlich Hanekes „Das weiße Band“ sehen (steht auf meinem Wunschzettel), bei welchem ich turmhohe Erwartungen hege, und Sonntag für die Oscar-Verleihung wird natürlich aufgeblieben. Wer von den beiden Ex-Eheleuten Cameron/Bigelow gewinnt, ist mir egal, ich freue mich dann auf jeden Fall. Und sollte doch ein Außenseiter gewinnen, wäre ich zumindest überrascht. <br />
 <br /><br /> ]]></description>
<pubDate>Fri, 05 Mar 2010 17:11:35 +0100</pubDate>
<dc:creator>Oliverj63</dc:creator>
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<title>Gelesen: Zwei aktuelle Romane von Philip Roth</title>
<link>http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=2298</link>
<description><![CDATA[<b>‚Indignation (2008)’ (dt. ‚Empörung’) & ‚The Humbling (2009)’ (dt. ‚Die Demütigung’)</b><br />
<br />
Drei oberflächliche Gemeinsamkeiten hat Philip Roth mit der kürzlich hier näher vorgestellten Joyce Carol Oates: Beide sind lange im Geschäft, gehören zu den renommiertesten Autoren der USA und beide sind jährlich in den engeren Auswahl für den Literatur-Nobelpreis. Damit enden die Gemeinsamkeiten aber auch.  <br />
Roth, der übernächste Woche 77. Jahre alt wird, legt im Moment einen Zyklus mit fünf Kurzromanen vor, die alle um die großen Themen Liebe und Tod kreisen und von denen die bisher erschienen ersten beiden hier besprochen werden:<br />
<br />
„Indignation“ (Vintage TB, 233 Seiten, auf Deutsch bereits bei Hanser als „Empörung“ erschienen) und „The Humbling“ (Cape HC, 140 Seiten, auf Deutsch bei Hanser als „Die Demütigung“ ab nächsten Montag im Handel) könnten äußerlich kaum verschiedener sein: <br /><br /> <A HREF="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0307473406/oliblog-21" target=_blank ><img src="http://data.blogg.de/7644/images/Indignation_Cover.jpg" alt="" align=left /></A>„Indignation“ handelt von dem Metzger-Sohn Marcus Messner, der 1951 von seinem besorgten Vater weg will und sich in einem College weit entfernt einschreibt. Dort erlebt er seine ersten erotischen Erlebnisse und eckt trotz eigentlich vorbildlichem Verhalten immer wieder an, bei seinen Zimmernachbarn und beim Rektor. Durch eine Kette von Autor Roth herrlich maliziös und deliziös erdachter Umstände trägt ihn das Schicksal schließlich präzise dahin, wo er sich so angestrengt hat, nicht hin zu kommen: An die Front im Korea-Krieg. Und Marcus ist auch noch der einzige seines Jahrganges, der das nicht überlebt, da sehr scharfe chinesische Bajonette mit dem Metzgersohn genau das machen, was er früher mit der Ware seines Vaters gemacht hat, wenn er im Laden aushalf. Das Ende ist keineswegs als Überraschung geschrieben und darf hier deshalb verraten werden, weil es ständig vorher schon angekündigt wird, es gibt sogar sehr gelungene Einsprengsel, in welchen der bereits tote Marcus Messner in der Ewigkeit immer wieder über sein kurzes Leben nachdenkt und selbst Lappalien eine Bedeutung bekommen, weil er sie nun Äonen lang bedenken kann. „Indignation“ handelt von der Absurdität des Todes, ist ein recht heftiger Angriff Roths auf die organisierte (christliche) Religion, wobei die finale Pointe dahingehend wirklich gelungen bösartig konstruiert ist, und schließlich von der Absurdität der Zufälligkeit des Lebens; letzteres meint der Autor dem Leser in einem erschreckend uneleganten Schlusssatz telegrafieren zu müssen. Das ändert aber nichts am positiven Gesamteindruck des gut erzählten, wunderbar komponierten Kurzromans, der stimmig einen Einblick in die USA des Jahres 1951 herauf beschwört. <br />
Punkte: 7/10<br />
<br />
<A HREF="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0224087932/oliblog-21" target=_blank ><img src="http://data.blogg.de/7644/images/The_Humbling_Cover_Roth.jpg" alt="" align=left  /></A>„The Humbling“ handelt von dem alternden Schauspieler Simon Axler, einst einer der größten Mimen des Landes, der plötzlich jegliches Selbstvertrauen auf der Bühne verliert und dadurch in eine Lebenskrise gerät, die seine Ehefrau nicht mittragen will und ihn deshalb verlässt, was ihn noch tiefer im Kummer versinken lässt. Er beginnt eine Amour Fou mit einer fünfundzwanzig Jahre jüngeren lesbischen Frau, die ihn ebenfalls gerade im Moment als es für ihn mit der Liebe ernst wird, sogar ein Kind wird diskutiert, verlässt. Was ihn in den Selbstmord treibt, was ebenfalls keine Überraschung ist und vorher telegrafiert wird. Erotische Szenen und Theater-Namedropping beherrschen diesen wirklich kurzen Text über das Altern und den Tod, der mehr wie eine Fingerübung, denn wie ein richtiger Roman wirkt und dessen eigentlich begrüßenswerte Ironie die Distanz zu den Figuren eher verstärkt. Ärgerlich ist der Schluss, in welchem Roth sich nicht entblödet, den Selbstmord des Mimen mit einem Theaterstück (hier: Tschechows ‚Möwe’) zu verschränken, ein Stilmittel, das in jedem kreativem Schreibkurs einem Anfänger als „plump“ angestrichen worden wäre. Das gelungene Cover und der namhafte Autor weisen „The Humbling“ eher als schönes Buch für einen Kaffee-Tisch in New York (vielleicht in einem Woody Allen-Film?) aus, als Lektüre ist der immerhin halbwegs kurzweilige, angestrengt-prätentiöse Kurzroman aber zu abgeschmackt und unbefriedigend um Lob zu verdienen. <br />
Punkte: 4/10<br />
<br />
<br />
---<br />
Cover: Vintage (Indignation), Cape (The Humbling). Die Links hinter den Covern führen zu den Produktseiten von Amazon.de.<br />
<br />
]]></description>
<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 12:00:09 +0100</pubDate>
<dc:creator>Oliverj63</dc:creator>
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<title>Lebenstraum: Polizist</title>
<link>http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=2297</link>
<description><![CDATA[<b>Gesehen: ‚Der Kaufhaus-Cop (Paul Blart: Mall Cop)’ und 'Shopping Center King (Observe and Report)’</b><br />
<br />
Die zufällige Gleichzeitigkeit bestimmter Filmprojekte in Hollywood fasziniert schon immer und versetzt immer wieder in Erstaunen, und es ist häufig hochinteressant, wie aus ähnlichen Prämissen völlig unterschiedliche Filme entstehen. <br />
Beide hier besprochenen Filme liefen im Frühjahr 2009 in den USA an und handeln von einem dicklichen Sicherheitsangestellten einer US-Einkaufspassage, der zum einen so gerne ‚richtiger Polizist’ wäre statt nur bei Vorkommnissen die richtigen Polizisten rufen (‚Observe and Report’ – wie einer der beiden Filme sogar heißt’) zu dürfen und zum anderen sich in eine in dem Center arbeitende Verkäuferin verliebt. <br />
Im Tonfall aber könnten beide Filme gar nicht unterschiedlicher sein. Während ‚Der Kaufhaus-Cop’ eine familientaugliche ‚Stirb Langsam’-Parodie ist und überraschend ordentlich ausgefallen ist, stellt ‚Shopping Center King’ einen so missratenen wie wirklich bösartigen Versuch dar, eine Anti-Komödie zu drehen, die gegen Ende tatsächlich für einige großartige Szenen gut ist. <br /><br /> <b>Der Kaufhaus Cop – Sicherheit macht nie Urlaub</b><br />
(OT: Paul Blart – Mall Cop)<br />
Komödie von Steve Carr, USA 2009, 87 Minuten (PAL)<br />
Mit Kevin James, Jayma Mays, Keir O’Donnell u.a.<br />
DVD, Sprache/Tonformat: Englisch DD 5.1, Bildformat. 1,85:1 anamorph<br />
<br />
<a href ="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B002GCJWDQ/oliblog-21" target=_blank ><img src="http://data.blogg.de/7644/images/Kaufhaus_Cop_Cover.jpg" alt="" align=left /></A>Paul Blart (TV-Star Kevin James) hat die Aufnahmeprüfung zur Polizeischule nicht geschafft, eine hispanische Tochter aus einer gescheiterten Beziehung, und versucht jeden Tag würdevoll mit der Tatsache umzugehen, dass er es nur zu einem Kaufhaus-Cop gebracht hat, im wahrsten Sinne des Wortes ein Bürger in Uniform, der keinerlei ‚coole’ Polizeirechte hat und bei dem Hinweis, dass er Personen festzunehmen gedenkt (‚civil arrest’, die deutsche Jedermann-Festnahme), schon mal ausgelacht wird, dass diese ‚Festnahme’ jedermann durchführen dürfte. All dies ändert sich, als eine Gangster-Bande sich des Einkaufscenters bemächtigt und Kunden als Geisel nimmt. Jetzt endlich kann Paul Blart mal zeigen, was er kann – und obwohl das wahrlich nicht viel ist, die Gangster besiegen…<br />
Beginnt der Film zunächst wie eine Allerwelts-Familienkomödie mit so einigen wirklich nur mäßig gelungenen Gags, kann der Film spätestens bei Eintreffen der Gangsterbande dann richtig punkten. Denn hier merkt man mehr als deutlich und ist dankbar, dass das Drehbuch-Team (Nick Bakay und Hauptdarstller Kevin James) einigen Gehirnschmalz darauf verwendet hat, wie der dickliche Nichtskönner Paul Blart mit seinen sehr beschränkten Mitteln und unter Ausnutzung der Gegebenheiten des Shopping-Centers die Gangster doch besiegen kann. Da sowohl Hauptdarsteller, als auch Drehbuch rund sind und bei beiden einfach das Timing stimmt, ist man als Zuschauer doch etwas überrascht davon, wie hübsch und gelungen einige der Gags sind, und vor allem: Wie viel Charme der Film ausstrahlt, was für enorme Kurzweil sorgt. Von einem Film der „Paul Blart“ heißt, darf man nicht allzu viel erwarten – daraus, und aus dem Schauplatz (man fühlt sich gleichzeitig an ‚Stirb Langsam’ und ‚Dawn of the Dead’ erinnert!)  macht der Film in seinen Möglichkeiten aber wirklich das Beste. Sehr unterhaltsam, ansehen!<br />
Punkte: 7/10.<br />
<br />
---<br />
<br />
<b>Shopping Center King – Hier gilt mein Gesetz</b><br />
(OT: Observe and Report)<br />
Anti-Komödie von Jody Hill, USA 2009, 83 Minuten (PAL)<br />
Mit Seth Rogen, Anna Faris, Michael, Ray Liotta u.a.<br />
DVD, Sprache/Tonformat: Englisch DD 5.1, Bildformat. 2,35:1 anamorph<br />
<br />
<a href ="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B002KKKA9E/oliblog-21" target=_blank ><img src="http://data.blogg.de/7644/images/Shopping_Center_King_Cover.jpg" alt="" align=left /></A>Ronnie Barnhardt (Comedy-Star Seth Rogen) hat die Aufnahmeprüfung zur Polizeischule nicht geschafft, auch weil er unter eine bipolaren Störung leidet und im Aufnahmegespräch der Polizeipsychologin anvertraut, wie gerne er Gangster abballern würde. Auch ansonsten ist Ronnie mit unausstehlich noch nicht mal entfernt umschrieben: Höchst gewalttätig, niederträchtig, dumm, aufdringlich und rassistisch, ist er für seine Mitmenschen so eine Plage, dass es im Hollywood-Film wirklich selten vorkommt, so einen Anti-Helden als Helden präsentiert zu bekommen, Seth Rogen kann hier wirklich mal etwas anderes als sonst spielen. Wie sein Kollege Paul Blart muss auch dieser Ronnie hier einen Fall lösen, ein Flitzer macht das Einkaufscenter und die Kundinnen unsicher, und Ronnie möchte die Liebe der Verkäuferin Brandi (Anna Faris) gewinnen. Vielleicht beschreibt es Ronnie und den Film ganz gut: Bei einem Date von Ronnie mit Brandi lässt diese, fluchend wie ein Kesselflicker, sich so voll laufen, dass sie sich auf ihre Kleidung erbricht (Anna Faris wollte wirklich ihr „Nice Girl“-Image loswerden) und dann auch nichts dagegen hat, wenn sie von Ronnie bestiegen wird. Letzteres könnte man trotz späterer „Einwilligung“ durchaus als ein Verbrechen werten (‚Date Rape’) – und das ist nicht mal Ronnies schlimmste Missetat in diesem Film! <br />
Nein, das Konzept funktioniert nicht: ‚Shopping Center King’ ist eigentlich keine schwarze oder politisch nicht korrekte Komödie, sondern eine Anti-Komödie, ein bewusst angelegter Feel Bad-Film, bei welchem in unangenehmen Szene so angezogen wird, dass einem das Lachen im Hals stecken bleiben soll. Das Problem ist: Diese Witze sind dann häufig wirklich nicht lustig und es erfordert fast unmenschliche Willenskraft, die Einladung des Films, ihn nicht zu lieben, in einem Versuch der Objektivität nicht anzunehmen. <br />
Filmkritiker loben an solchen Stellen gerne den Mut der Filmemacher – aber haben wir als Kinder wirklich den Mut des Nachbar-Jungen bewundert, der uns am Strand die Sandburg zertrampelt hat? Nein, und genau das ist das Problem von „Observe and Report“, dieses Konzept funktioniert so nicht.<br />
Und dann passiert es: In der letzten halben Stunde findet der vorher erratische und als Experiment misslungene Film dann plötzlich doch zu einem stimmig-grimmigen Tonfall. Wenn Ronnie sich mit zehn Polizisten blutig gleichzeitig anlegt, oder harmlose kleine Jungen, die auf dem Center-Parkplatz unerlaubt Skateboard fahren, brutal verprügelt (liebe Eltern, das FSK 16 bitte SEHR ernst nehmen!), ist er ekelhaft wie immer, aber nun kann man über den bitterbösen, tiefschwarzen Humor endlich lachen, wozu auch die gelungene Musikauswahl beiträgt. <br />
Und gegen Ende wird Ronnie natürlich mit diesem Flitzer konfrontiert - und urplötzlich fällt den Filmemacher Jody Hill ein Anfall von Genie an: Man wird über Jahre dieses Finale nicht vergessen, in welchem der höchst schwabbelige Flitzer mit offenem Trenchcoat und  schwingendem Penis in sehr vielen Full Frontal-Halbtotalen durch das Center rennt, verfolgt von Ronnie, unterlegt (in einer brillanten musikalischen Hommage an die Prä-9/11-Schlussszene von Finchers „Fight Club“) zu dem begnadeten „Where is my mind“ von den Pixies in einer Cover-Version von City Wolf, und wenn dann Ronnie seinen höchst eigenwilligen Triumph feiert, hat man perfektes Kino erlebt, bei welchem bis zum Abspann einem Metronom gleich jeder Takt (wobei einem das Wort 'taktvoll' trotzdem nie einfallen würde) perfekt sitzt. Die letzten zehn Minuten von „Observe and Report“ sind zum Niederknien und Danke sagen. <br />
Man kann nun nachvollziehen, warum Quentin Tarantino aus seiner Sicht „Observe and Report“ als einen der besten Filme des letzten Jahrgangs bezeichnet hat. Man muss sich ihm aber nicht anschließen, denn dafür ist davor das Konzept des Films einfach nicht genug aufgegangen. Der meisterliche Instant-Klassiker-Schluss macht aus „Observe and Report“ kein Meisterwerk, aber immerhin rettet er den Film noch auf die Habensseite. <br />
Ein solcher Film fordert und erlaubt ein höchst schizophrenes Schlussfazit: Der „Shopping Center King“ ist ein ziemlich misslungener, ziemlich sehenswerter Film.<br />
Punkte: 6/10<br />
<br />
<br />
---<br />
Anbieter & Cover: Sony (Paul Blart), Warner (Observe and Report).<br />
Die Links hinter den Covern oben führen zur Produktseite von Amazon.de der deutschen DVDs. ]]></description>
<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 16:42:22 +0100</pubDate>
<dc:creator>Oliverj63</dc:creator>
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</item>
<item>
<title>Gelesen: A Fair Maiden</title>
<link>http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=2296</link>
<description><![CDATA[<b>Roman von Joyce Carol Oates</b><br />
165 Seiten, Gebunden, Otto Penzler, New York 2010, ISBN 978-015101516-0, ca. € 16,99, <br />
<br />
<A HREF="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0151015163/oliblog-21" target=_blank ><img src="http://data.blogg.de/7644/images/A_Fair_Maiden_Cover.jpg" alt="" align=left /></A>Zum Abschluss der zunächst vierteiligen Lesereihe mit aktuellen Werken von Joyce Carol Oates widmen wir uns nun ihrem jüngsten Buch, dem 56. Roman in 46 Jahren, ein eher kurzes Werk mit dem Titel „A Fair Maiden“. <br />
Die sechzehnjährige Katya Spivak jobbt in den Ferien als Kindermädchen in einem flirrenden Strandort in New Jersey und lernt während eines Spazierganges mit ihren beiden Schützlingen den achtundsechzigjährigen Marcus Kidder kennen, der sie mit den Kindern nach Hause einlädt. Auch wenn sie der Altersunterschied zögern lässt, folgt sie der Einladung, später auch alleine. Auch wenn Kidder ihr Großvater sein könnte, beeindruckt sie der ehemalige Kinderbuchautor und Hobby-Maler sehr und seine Zuwendung zu ihr berührt sie. <br /><br /> Natürlich vermutet man als Leser zunächst, dass Oates hier eine ‚Lolita’-Variation erzählen möchte und einige Szenen verlaufen auch ein wenig in diese Richtung, schlagen dann aber doch einen anderen Weg ein. Die Auflösung der Geschichte am Ende ist dann doch eine ganz andere und durchaus überraschende, schockierende, berührende und gelungene. <br />
<br />
Der kurze Roman beschränkt sich auf das Wesentliche und erreicht so in seiner Konzentration des Blicks auf die Beziehung zwischen diesem Mann und dieser Frau, zwischen denen zwei Generationen liegen, eine hohe Intensität und ein hohes Tempo. Hervorragend gelingt Oates nicht nur die Beseelung der Figuren, sondern auch die Beschwörung des Ortes. Der eigentlich eher zarte Tonfall wird dann durch einige Episoden unterbrochen, wie die unzuverlässige Mutter der Heldin, die ständig Geld verbrennt und eine gewalttätige Episode kurz vor dem Ende, Szenen, die zwar nach Joyce Carol Oates klingen, aber nicht unbedingt sich in den eher zarten Tonfall der Geschichte einfügen mögen. <br />
<br />
Eine kurze, anregende, anrührende, freilich aber keine wichtige Lektüre.<br />
<br />
Punkte: 7/10<br />
<br />
<br />
---<br />
<br />
Damit sind wir am Ende der kurzen Oates-Lesereihe. Und können eine Frage nach dem Weiterlesen nicht definitiv beantworten. Denn definitiv feststellen kann ich nur, dass ich nun nicht Oates riesiges Gesamtwerk komplett sammeln muss, aber definitiv feststellen kann ich auch, dass ich in Zukunft schon gerne weitere Oates-Bücher lesen möchte, und wohl auch werde. Der Name Joyce Carol Oates könnte hier somit weiter sporadisch auftauchen. <br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
---<br />
Cover: Otto Penzler Books]]></description>
<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 12:43:46 +0100</pubDate>
<dc:creator>Oliverj63</dc:creator>
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</item>
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<title>Gesehen: Drei Filme</title>
<link>http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=2295</link>
<description><![CDATA[Drei Filme, die hier im Blog keine lange Besprechung lohnen: Das Original und Remake von "The Stepfather" (1987/2009) und Platz #2 der Spectator-Liste der besten Filme aller Zeiten, Coppolas "Apocalypse Now". <br /><br /> <B>The Stepfather</B><br />
Horror-Thriller von Joseph Ruben, USA 1987, 85 Minuten (PAL)<br />
„Lost“-Star Terry O’Quinn spielt einen familienbesessenen Serienkiller, der die Diskrepanz zwischen Familienideal und Realität regelmäßig dadurch löst, dass er sich in Familien einheiratet und diese dann abschlachtet. <br />
Ernüchternd, wenn ein in der Erinnerung verklärtes VHS-Erlebnis aus den 80ern bei der Wiederbegegnung viele, viele Jahre später nicht gut bestehen kann. In der Erinnerung war „The Stepfather“ von Joseph Ruben einer der spannendsten und herausragendsten Thriller der 80er Jahre und diese Erinnerung teilen wohl, angesichts entsprechend zugänglicher Texte im Netz, viele. Ernüchternd: Terry O’Quinn spielt teilweise arg platt und eindimensional, die Familienideal-Satire gibt zwar schwarzhumorig einen interessanten Bösewicht her, führt aber gedanklich ins Leere und hat so keinen Biss, die Dramaturgie ist uneben, die 80er-Synthiemusik verursacht (bis auf das schöne Vorspann-Thema) teilweise Ohrenbluten und das in der Erinnerung verklärte Finale wirkt heute allenfalls durchschnittlich, manchmal fast holprig. Ein immer noch interessanter Thriller, aber einer, der schlecht altert.<br />
Punkte: 7/10.<br />
Gesichtet wurde die alte deutsche Marketing-DVD. Sicher keine Referenzklasse, aber brauchbar. Die Neuauflage konnte nicht gesichtet werden.<br />
<br />
---<br />
<br />
<B>The Stepfather</B><br />
Horror-Thriller von Nelso McCormick, USA 2009, 102 Minuten (NTSC)<br />
„Nip/Tuck“-Star Dylan Walsh spielt einen familienbesessenen Psychopathen, der die Diskrepanz zwischen Familienideal und Realität regelmäßig dadurch löst, dass er sich in Familien einheiratet und diese dann abschlachtet. <br />
Wie schon bei seinem „Prom Night“-Remake verarbeitet Nelson McCormick auch diesen Stoff aus den 80ern für seine Neuauflage so, dass er insbesondere weibliche Teenager anspricht: Also ein Minimum an Blut, einmal Tränen fürs Gefühl, und ein gutaussehender Jüngling als Held ersetzen die Tochter, sowie Terry O’Quinn und das schlitzige Finale des Originals von 1987.<br />
Schlagen Horror-Remakes in den letzten Jahren qualitativ häufig jeglichem Faß den Boden aus, kommt man als Zuschauer diesmal noch halbwegs gut davon (auch im Vergleich zu McCormicks miserablem „Prom Night“-Remake): Ja, der Film ist deutlich platter als das Original und Dylan Walsh spielt einen handelsüblichen Serienkiller ohne fassbare Motivation (das satirische Element des Originals ist kaum noch vorhanden), dies macht er aber tatsächlich halbwegs bedrohlich, was den Film funktionieren lässt. Der Film wurde mit Handys und Internet in unsere Zeit transportiert, damit auch Jungs ins Kino mitkommen muss Amber Heard fast die ganze Zeit unmotiviert im Bikini durch den Film turnen, und u.a. durch ein deutlich erweitertes Figurenarsenal läuft die Neuverfilmung auch eine gute Viertelstunde länger als das Original. Das erstaunlich elegant (Kamera und Set-Design sind ausgezeichnet) inszenierte Remake unterhält deswegen halbwegs kurzweilig und spannend, wenn man darüber hinweg sehen kann, dass es konfektioniert und herzlos ist und man als Genre-Fan am besten vorher um die erstaunlichen Blutarmut in den Tötungsszenen weiß, die auf einen TV-Film der Woche schließen lässt. <br />
Punkte: 6/10.<br />
Gesichtet wurde die US-DVD von Sony im eine Minute längeren Director's Cut. Zu den Unterschieden zur Kinofassung könnnen keine Angaben gemacht werden, "härter" ist die Version sicherlich nicht. <br />
<br />
---<br />
<br />
<b>Apocalypse Now Redux</b><br />
Anti-Kriegsfilm von Francis Ford Coppola, USA 1979/2001, 194 Minuten (PAL)<br />
<I><a href="http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=2176" target=_blank><b>The Spectator's 50 Essential Films</b></a><a href="http://www.spectator.co.uk/essays/all/3735463/part_24/the-spectators-50-essential-films-part-two.thtml" target=_blank><b>, Platz # 2</b></I></a><br />
Jeder hat Filmklassiker, mit denen er im Gegensatz zu “allen anderen” nicht so viel anfangen kann. Dies ist für mich einer davon. Ja, Platz 2 in unserer Spectator-Liste der besten Filme aller Zeiten. Ja, nach Meinung vieler Kritiker der beste Film der letzten drei Jahrzehnte. Ja, ein beeindruckendes Schauspielerensemble und eine atemberaubende Kameraarbeit von Vittorio Storaro mit sensationellen Bildern und Momenten. Ja, der Hubschrauberangriff zu Wagner-Musik ist einer der 3 oder 5 besten Szenen der Filmgeschichte und der bald darauf folgende surreale Playboy Bunny-Auftritt ebenfalls filmisch meisterlich. Nach einer guten Stunde degeneriert der Film aber dann zu einem so zerfahrenen Chaos und filmischen Stillstand, dass man jeglichen guten Willen verliert - und dann hat man in dieser 2001 um 47 Minuten verlängerten Redux-Version noch gut zwei Stunden(!) vor sich und möchte am liebsten am Ende vor Erschöpfung mit dem geschlachteten Wasserbüffel tauschen. Möglicherweise tragen das Thema und die vielen spannenden Annekdoten um die Dreharbeiten zur Überschätzung des Films bei. <br />
Punkte: 6/10.<br />
Gesichtet wurde die alte UFA-DVD, die in Bild und Ton (wow!) Erstaunliches leistet und im eher ungewöhnlichen Format 1,99:1 abgetastet ist.]]></description>
<pubDate>Thu, 25 Feb 2010 17:55:39 +0100</pubDate>
<dc:creator>Oliverj63</dc:creator>
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<ent:topic ent:href="http://www.blogg.de/?category=film" ent:id="film">film</ent:topic>
</ent:cloud>
</item>
<item>
<title>Gesehen: Halloween II</title>
<link>http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=2294</link>
<description><![CDATA[Horror-Film von Rob Zombie, USA 2009, 105m22s (Kinofassung, NTSC) / 118m57s (Director's Cut, NTSC)<br />
Mit Scout Taylor-Compton, Sheri Moon Zomibe, Malcolm McDowell u.a.<br />
DVD, Sprache/Tonformat: Englisch DD 5.1, Bildformat: 1,85:1 anamorph<br />
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<img src="http://data.blogg.de/7644/images/Halloween_II_Cover.jpg" alt="" align=left />Es ist nachvollziehbar: Wenn jemand Zombie heißt, nicht nur wie ein Rock-Star aussieht, sondern auch einer ist und dann Horror-Filme dreht, denen man nicht nur viel Sorgfalt und Genre-Kenntnis anmerkt, sondern die auch noch in Ästhetik und Kompromisslosigkeit auf die für das Genre sehr fruchtbaren Siebziger Jahre zurück greifen, so jemandem lassen Fans fast alles durchgehen. Dies erklärt auch, warum bei Zombies bisherigen Filmarbeiten landläufig immer sehr großzügig über Fehler hinweg gesehen wurde. Auch wenn „House of 1.000 Corpses (2003)“ etwas konfus, und „The Devil’s Rejects (2005)“ und „Halloween (2007)“ dramaturgisch reichlich uneben waren. Ausgerechnet mit einem auf den ersten Blick uninteressanten Projekt, einer unter kommerziellen Vorzeichen entstandenen Slasher-Fortzsetzung wie „Halloween II“ (namensgleich mit der damaligen Fortsetzung von 1981)  kann Zombie nun aber beweisen: Wenn er keine groben Fehler macht, ist er ein bemerkenswerter und talentierter Filmemacher. Denn in den engen Grenzen, die ein Film wie „Halloween II“ setzt, macht Zombie so gut wie alles richtig und inszeniert nicht nur seinen mit Abstand besten Film bisher, sondern eine in den letzten Jahren qualitativ heraus ragende Slasher-Fortsetzung.  <br /><br /> Nur rein oberflächlich hat der Film zwei Gemeinsamkeiten mit der bereits 1981 entstanden Fortsetzung von John Carpenters Original-„Halloween“: Beide schließen direkt an das Original an und beide spielen (auch) in einem Krankenhaus. Der neue „Halloween II“ ist aber bei näherer Betrachtungsweise doch anders angelegt. Während man den 1981er „Halloween II“ tatsächlich direkt hinter seinen Vorgänger montieren könnte, weil er nahtlos anschließt, fängt Zombies Film nur ungefähr zum gleichen Zeitpunkt wie das Ende des ersten Teils wieder an. Und in den letztlich visuell unattraktiven dunklen Gängen und Untersuchungszimmern eines Krankenhauses wie im Film von 1981 hält Zombie sich diesmal nur wenige Minuten am Anfang des 2009er-Films auf. <br />
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Die Geschichte ist simpel: Michael Meyers hat den ersten Teil überlebt, treibt nach wie vor mit seiner Maske und seinem Messer sein Unwesen, während die Heldin, seine Schwester und Fast-Opfer Laurie Strode, psychisch erheblich unter den Folgen zu leiden hat. Letzteres ist keine Erfindung von Zombie, sondern wurde ja auch in der ersten „Halloween“-Serie im siebten und achten Film („Halloween H20“ von 1998 und „Halloween: Resurrection“ von 2002) weiter und zu Ende erzählt. <br />
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Zombie erzählt nun die Geschicke des Figurenarsenals aus dem ersten Teil weiter und, das macht dieses „Halloween II“ so gut: Er interessiert sich wirklich für seine Figuren, so dass man die ganze Zeit über gefesselt an Bord ist. Aber nicht nur das, Zombie gelingen viele, wirklich viele fabelhafte Filmmomente, insbesondere die Lichtsetzung und die Tonmischung leisten hier Großartiges. Schon die Anfangsszene, in welcher ein Krankentransport mit Michael Meyers frontal mit einer Kuh zusammen stößt, gehört zu den Genre-Höhepunkten der letzten Jahre und von diesen Szenen (unter anderem eine nächtliche Begegnung auf einem Feld und ein Terminator-Auftritt in einem Strip Joint) gibt es so einige. Die Figuren sind durchgehend interessant, insbesondere Brad Dourif als leicht schrulliger Sheriff, Malcolm McDowell als kreuzunsympathischer Psychiater Dr. Loomis, der die Geschichte in den Medien bis zum Exzess ausschlachtet und erneut Scout Taylor-Compton als schwer gebeutelte und ständig fluchende Laurie Strode. Augenschmaus ist natürlich wieder die Ehefrau des Regisseurs, Sheri Moon Zombie, die in diesem Film in  einem weißen Kleid eine weiße Stute haltend in viele Traumvisionen auftritt, ein visuell außerordentlich beglückwünschenswerter Einfall. <br />
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Bei Laurie Strode sind wir auch  bei den Unterschieden zwischen Kinofassung und Director’s Cut. Hatte Zombie bei seinem ersten „Halloween“ neben diversen insignifikanten Verlängerungen beim 11 Minuten längeren Director’s Cut eine härtere und kontroversere (darunter ein nur überschaubar appetitlicher Gang Bang an einer geistig Behinderten) Version vorgelegt und gleichzeitig mit 121 Minuten den längsten Slasher-Film aller Zeiten montiert, war diesmal von vorne herein abzusehen, dass der Director’s Cut zu „Halloween II“ anders sein wird. Hatte Zombie doch vorher in der Presse bereits verlauten lassen, dass die MPAA diesmal keine seiner Gewaltszenen beanstandet hatte, was mit dem Bluterbsenzähler-US-Zensursystem zu tun hat, das Zombie exzellent umgeht: Auch „Halloween II“ ist sehr brutal, verzichtet aber fast völlig auf Splatter-Einlagen und wurde so bei der MPAA ungekürzt durchgewunken. Der Director’s Cut von „Halloween II“, immerhin vierzehn Minuten länger als die Kinofassung und damit der drittlängste Slasher-Film aller Zeiten (vorher noch, wie gesagt, Zombies eigener „Halloween – Director’s Cut (2007)“ mit 121 Minuten und Wes Cravens „Scream 2 (1997)“ mit 120 Minuten), ist somit auch in den Gewaltszenen keinen Deut expliziter als die Kinofassung und auch nicht einfach nur eine sinnlose Verlängerung wie so viele „Unrated Versions“, sondern tatsächlich mal eine interessante Alternativ-Version eines Films die eine Geschichte mit anderem Schwerpunkt erzählt. Im Director’s Cut wird viel deutlicher, wie Laurie Strode ihren Verstand verliert und die längere Version hat auch ein vollständig anderes Ende als die Kinofassung. Ein runderes, stimmigeres, mithin besseres Ende, das zwar insgesamt keine höhere Wertung rechtfertigt, aber den Director’s Cut als bevorzugte Version empfehlen lässt. Beiden Enden gleich ist übrigens, dass Zombie diesmal dankenswerter Weise auf ein ewig langes Finale verzichtet, in welchem Michael Meyers zwanzig Mal wieder von den Toten aufersteht. Das Finale ist kurz und, nein, nicht schmerzlos. <br />
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Ungewöhnlich ist noch ein technischer Aspekt des Films: Erzählte Zombie seinen ersten „Halloween“ in verblichenem 35mm und in Scope (wie früher Carpenter auch), entschied er sich diesmal für (später für den Kinoeinsatz aufgeblasene) 16mm und das normale Kinoformat 1,85:1. Die Format-Inkonsistenz lässt sich nicht so richtig rechtfertigen, das leicht körnige 16mm unterstützt die Wirkung der starken Bilder aber durchaus. <br />
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Soziologisch verbildete Filmfreunde dürfen zurecht darauf hinweisen, dass der schöne Ansatz aus dem ersten Teil, ein mehr als galliges White Trash-Portrait zu liefern, diesmal aufgegeben wurde, was schade ist, und „Halloween II“ ausschließlich in einem Genre-Paralleluniversum spielt, dessen Konventionen getreu eingehalten werden, was einem solchen Film schon eine qualitative Zwischendecke einzieht. Viel mehr kritisieren kann man aber eigentlich nicht. <br />
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So häufig haben wir das nicht: Ein Horror-Film, der sich ganz ernsthaft für seine Figuren interessiert, gut erzählt ist und viele inszenatorisch denkwürdige Momente enthält. Das Resultat ist für Genre-Freunde ein spannender, trotz erneut ausufernder Länge für so einen Film sehr kurzweiliger und intensiver Film-Genuss. Spätestens jetzt gebührt Zombie nicht nur Sympathie, sondern auch Achtung und Respekt als Filmemacher. Man darf gespannt sein, was in den nächsten Jahren von ihm zu erwarten sein wird.  Er arbeitet bereits an einem neuen Film, der kein „Halloween“-Film mehr sein wird, denn auch dieses Versprechen hält er: Sein Halloween, Rob Zombies „Halloween“, ist mit diesem Film auserzählt. <br />
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Punkte: 8/10.<br />
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Gesichtet wurden beide DVDs (Kinofassung/Director's Cut) von Sony aus den USA, die viele Extras enthalten, u.a. einen hörenswerten Regie-Kommentar von Zombie. Anders als beim ersten Teil wurde diesmal für das Cover-Motiv jeweils die gleiche Gestaltung gewählt. Man muss also etwas mehr aufpassen.<br />
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Anbieter & Cover: SPHE/USA]]></description>
<pubDate>Wed, 24 Feb 2010 12:48:36 +0100</pubDate>
<dc:creator>Oliverj63</dc:creator>
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<title>Gelesen: Little Bird of Heaven</title>
<link>http://oliblog.blogg.de/eintrag.php?id=2293</link>
<description><![CDATA[<b>Roman von Joyce Carol Oates</b><br />
442 Seiten, Gebunden, ecco, New York 2009, ISBN 978-006170431-4, ca. € 19,95, <br />
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<A HREF="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0061829838/oliblog-21" target=_blank ><img src="http://data.blogg.de/7644/images/Little_Bird_of_Heaven_Cover.jpg" alt="" align=left  /></A>Das soziale Brennpunkt-Viertel Sparta in  New York: Die hübsche und beliebte Zoe Kruller ist brutal ermordet worden. Hauptverdächtige sind zwei Männer: Ihr Ehemann, sowie Zoe Krullers Geliebter Eddie Diehl. <br />
Joyce Carol Oates erzählt in ihrem aktuellen Buch, ihr 55. Roman in 45 Jahren, diese Geschichte nicht als Kriminalfall, sondern als Sozialportrait eines Brennpunktviertels. Dabei bedient sie sich zweier personaler Erzähler und betrachtet die Welt mit den Augen von Eddie Diehls Tochter Krista und Zoe Krullers Sohn Aaron, die nicht nur durch diesen Mord, sondern auch durch eine Amour Fou verbunden sind.  <br /><br /> Der Roman erzählt zunächst 250 Seiten aus Kristas Sicht, dann folgen 140 Seiten Aaron und gegen Ende, viele Jahre später, noch einmal aus Kristas Sicht beide zu beschreiben. Dabei springt der Roman zwischen Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben dieser Protagonisten häufig hin- und her, was den Erzählfluss dezent stört, zumal wenn sich allzu pedantisch in überlappende Details aufgehalten wird. Die finale Auflösung des Täters ist ganz bewusst, fast bösartig als Schlag ins Gesicht von Krimi-Fans geschrieben und soll deutlich machen, dass der Mord an Zoe Kruller einzig als Katalysator dieser Geschichte dient. <br />
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Eine Geschichte, die als Sozialdrama viel um Alkohol, Gewalt, Drogen, Ausgegrenztsein und Familienkonflikte kreist und bei den Helden tiefe Narben und Verletzungen hinterlässt, wobei, das sei ganz deutlich gesagt, die Autorin die Konventionen des Sozialdramas ausgiebig bedient und keinesfalls verlässt. „Little Bird of Heaven“ (ein Song-Titel, auf den im Roman immer mal wieder leitmotivisch Bezug genommen wird und der zu einem unglücklich-putzigen Vögelchen auf dem Cover führte)  ist ein etwas zu lang geratener Roman, der in thematisch ausgetreten Pfaden wandelt, den man aber nicht weglegen kann. Dafür ist Oates einfach eine viel zu gute Erzählerin; ihre Fähigkeit zur Charakterbeschreibung und zum Hineinfühlen in eine Situation ist bemerkenswert souverän und routiniert, so dass man als Leser ein intensives Gefühl hat, mit den Charakteren mitzuleben und zu –leiden. Ein solcher Roman kann gar nicht schlecht sein und hinterlässt das komische Gefühl, dass man, obwohl mal als Leser nicht völlig befriedigt ist, gerne von dieser Autorin mehr lesen möchte, ja muss. Wenn man dieses Buch zuschlägt, hat man das Gefühl, dass dieser kleine Vogel ein eher kleinerer Roman einer großen Autorin ist.<br />
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Punkte: 6/10<br />
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Cover: ecco<br />
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<pubDate>Wed, 24 Feb 2010 11:55:27 +0100</pubDate>
<dc:creator>Oliverj63</dc:creator>
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