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Mittwoch, 13.07.2005

Filmkritik: Nuvvostanante Nenoddantana

Masala-Film von Prabhu Deva, Indien 2005, 155 Min.
Mit Siddarth, Trisha, Srihari, Prakash Raj u.a.
DVD (Imagilight/USA), Telugu 5.1 mit engl. Untertiteln, Bild: 2,0:1 anamorph.


Das Pongal-Fest dient den südindischen Filmindustrien immer als Zeitpunkt zum Start großer Blockbuster, und da machte auch dieses Jahr keine Ausnahme:. Der von dem erstmals als Regisseur tätigen Prabhu Deva inszenierte Tollywood-Film sorgte in Andhra Pradesh über viele Wochen hinweg für ausverkaufte Häuser und war einer der größten Telugu-Filmhits in letzter Zeit.
Bevor die Frage kommt: Nein, ich strecke die Waffen, ich weiß weder, wie sich der Titel ausspricht, noch, was er bedeutet ? davon lässt man sich aber nicht ernsthaft abhalten.




Inhalt: Auf einer Hochzeitsfeier lernen sich der unbeschwerte Santosh (Siddarth), Sohn sehr reicher Eltern aus London, und Siri (Trisha), ein sehr schönes Bauernmädchen vom Lande kennen und verlieben sich ineinander. Doch bevor diese Liebe Erfüllung finden kann, haben das Schicksal und der Drehbuchautor noch viele Hindernisse gesetzt, insbesondere die Mutter von Santosh, die ihren Sohn bereits einer anderen versprochen hat und jetzt alles in Bewegung setzt, um die Liebe von Santosh und Siri zu verhindern. Aber vor allem Siris liebenswerten, aber strengen Bruder Sivamramkrishna (Srihari), der aufgrund schlechter Kindheitserinnerungen auf reiche Playboys gar nicht gut zu sprechen ist und dem Santosh erst einmal durch harte Arbeit auf dem Felde die Liebe zu Siri beweisen muss...

Kritik: Ja, der Film mixt nur die üblichen Elemente und ja, die Handlung verläuft wie auf Schienen, trotzdem nimmt es nicht Wunder, dass dieser Film ein großer Erfolg war, denn diese üblichen Elemente werden äußert ansprechend verpackt und sorgen durchgehend für gute Unterhaltung.
Größter Aktivposten des Films ist sicherlich die Regie von Prabhu Deva, der als Debütant ein bemerkenswertes Talent erkennen lässt und dessen Inszenierung voller Elan, Schmiss und Energie ist. Dabei setzt der Regisseur auf häufige Kamerabewegungen und viele Schnitte und ist in jeder Disziplin seiner Aufgabe mehr als gewachsen: Die Fights sind ansprechend und originell choreographiert und inszeniert, die romantischen Szenen zärtlich, die gefühlsbetonten Szenen funktionieren und hinter jeder Ecke lauert ein inszenatorischer Gag oder eine hübsche Idee, eine Sequenz szenisch aufzulösen. Das macht schon sehr viel Spaß. Nur im Bereich Comedy nimmt der Film keine Gefangenen und Arbeitet mit der Brechstange, dies aber nicht unerfolgreich: Einiges ist schmerzlich schlecht, einiges so schlecht, dass es schon wieder lustig ist und vieles ist auch wirklich lustig, da bleibt unterm Strich durchaus eine ordentliche Ausbeute übrig. Auch wenn man irritiert eine längere Passage ziemlich am Anfang des Films zur Kenntnis nimmt, in denen Darsteller und Regie derart überdreht sind, dass die kollektive Einnahme bewusstseinserweiternder Pilze am Set nahe liegt.
Ferner kann sich der Film auf seine Darsteller verlassen, insbesondere natürlich auf das Pärchen Siddarth und Trisha, die wir letztes Jahr schon in Maniratnams ?Aayutha Ezuthu? gesehen haben, der gleichzeitig gedrehten Tamil-Fassung seines Hindi-Polithrillers ?Yuva?. Natürlich trägt Siddarth ziemlich dick auf, seiner extremen Wandlung vom dämlichen Schnösel zum liebenswerten Kerl kommt das aber nur zu Gute und er mobilisiert damit ein hohes Maß am Sympathie, also das, was Starqualitäten ausmacht. Wenn ein Mann so viel auf sich nimmt, um die Liebe zu einer Frau zu gewinnen, muss diese natürlich entsprechend besetzt sein und da konnte man bei der wieder einmal bezaubernden Trisha (siehe Cover) nichts falsch machen, die mit ihrer Präsenz diesen Film ziert und mit Schönheit und Charme glänzt. Dabei legt sie ein großes Spektrum an schauspielerischen und tänzerischen Fähigkeiten an den Tag, sollte aber in Comedy-Szenen nicht immer so manieriert den Mund verziehen, auch wenn das eines ihrer Markenzeichen ist. Auch von den Nebendarstellern gibt es nur Gutes zu vermelden, insbesondere Srihari als Trishas älterer Bruder strahlt viel Präsenz und Würde aus und schafft es, obwohl er über Teile des Films eine Art von Widerpart zu Siddarth ist, die Herzen zu erobern. In weiteren Nebenrollen gibt es noch einige Stars zu sehen, wobei es nett ist, Prakash Raj mal wieder in einer sympathischen Rolle zu sehen. Sein komödiantisches Potential darf er dabei in einer Szene präsentieren, in welcher er eine zu scharfe Mahlzeit zu sich nimmt. Dabei ist nicht sein nachfolgender Ausraster das eigentlich witzige, sondern die Sekunden davor, in denen er so tut, als würde ihm das Essen nichts ausmachen, das ist schlicht wundervoll gespielt, die Szene ist ein Kleinod!
Zur Geschichte selbst ist wenig zu sagen, außer, dass ihre fast chiffrenartigen Schematismen durch Inszenierung und Darsteller in ein sehr unterhaltsames Gewand gekleidet wurden und dass der Kontrast zwischen den luxuriösen Sets der ersten Hälfte und dem erdigen Landleben in der zweiten hübsch heraus gearbeitet ist. Auch wenn die Anbiederung an ein provinzielles, dörfliches Kino-Publikum in Indien ein ganz klein wenig subtiler hätte ausfallen dürfen; das ist schon sehr plump, wie hier die Sympathien verteilt wurden um ein entsprechendes Publikum zu befriedigen.
Die Songs sind alle hübsch komponiert, platziert, inszeniert und choreographiert, ein wirklich herausragendes Stück ist aber nicht dabei, auch wenn sie die Handlung schön auflockern. Hier wird musikalisch und von der Bebilderung her durchaus gefällige, aber gewohnte Kost geboten.
Ein überdurchschnittlich unterhaltsamer, schmissig inszenierter, von guten Darstellern getragener Tollywoodfilm, dessen äußerst gewöhnliche Story und Musik aber höhere Wertungsregionen verschließen.

Punkte: 7/10.

Epilog:
Da die Filmindustrie in Mumbai in diesem Jahr bisher recht viel Durchschnitt und noch nicht so viele herausragende Filme in 2005 produziert hat, tat der Abstecher nach Hyderabad mal gut, denn ?Nuvvostanante Nenoddantana? unterhält einfach ohne wenn und aber.

Marco hat den Film auch kürzlich gesehen, seine Rezi gibt es hier.

Cover (c) Imagilight Ent.

Geschrieben von Oliver unter diesem Permalink in Film: Indien

2 Kommentare | TrackBack (0) | Artikel versenden

Kommentare

prasad am 02.07.2007 - 12:03

hiiiiiiiiii

abdulishes am 02.02.2008 - 23:17

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