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Mittwoch, 29.06.2005

Filmkritik: Hellraiser 7: Deader

Horrorfilm von Rick Bota, USA 2005, 88 Min.
Mit Kari Wuhrer, Doug Bradley, Paul Rhys u.a.
DVD (Dimension/USA), Englisch 5.1, Bild: 1,78:1 anamorph.

Seit Jahren macht Clive Barker in Interviews einen gequälten Eindruck, wenn er auf die Hellraiser-Filmserie angesprochen wird. Nachdem er an einem schicksalsschangeren Tag einmal ein paar Rechte zu viel abgegeben hatte, wurde er Pinhead auf Zelluloid nun nicht mehr los, ohne sich dagegen wehren zu können.. Eine Ruhe nach dem gescheiterten Flop ?Hellraiser IV: Bloodline? erwies sich als trügerisch, im neuen Jahrtausend folgten gleich noch einmal vier Filme. Die Teile 7 und 8 wurden 2003 parallel abgedreht und verschwanden dann erst mal in der Versenkung. Jetzt werden sie kurz hintereinander in den USA auf DVD veröffentlicht, Teil 7 wird hier besprochen, ?Hellraiser 8: Hellworld? erscheint Anfang September in den USA.

Inhalt: Die Journalistin Amy Klein (Kari Wuhrer) wird von ihrem Chef nach Bukarest geschickt, um einem geheimnisvollen Kult auf die Spur zu kommen, von dem Videoaufnahmen existieren, die scheinbar bezeugen, dass die Kultisten, Deaders genannt, Tote wieder zum Leben erwecken können...

Kritik: Wer auch immer nach der Ansicht von ?Hellraiser VI: Hellseeker? der Meinung war, Regisseur Rick Bota Geld für zwei weitere Hellraiser-Filme zu geben, wird wohl seine Gründe gehabt haben, auch wenn sich diese nicht jedem erschließen. Zwar war ?Hellseeker? kein schlechter Film, schrie aber auch nicht gerade nach einer Fortsetzung. ?Hellraiser: Deader? ist zwar eine Rückbesinnung auf die Serie, aber qualitativ ein deutlicher Abstieg.
Waren die Teile 1-4 der Hellraiser-Serie noch lose verknüpft, stellten die Filme 5 und 6 Einzelepisoden dar, in welchen eine Krimihandlung durch einen wenig zwingenden Kurzauftritt von Pinhead (Doug Bradley, wie immer) in das Hellraiser-Universum gestellt wurde. Mit ?Deader? wird sich wieder mehr auf den Mythos der Serie rückbesonnen und die übernatürlichen Elemente (neben Pinhead), nicht lediglich surrealen Einsprengseln und Traumsequenzen überlassen, wie in den letzten beiden Filmen.
Zumindest interessant ist der Film durch den recht ungewöhnlichen Schauplatz Bukarest. Trotzdem dürfen die Filmemacher in nächster Zeit wohl keine Bedankmich-Karten rumänischer Touristik-Verantwortlicher erwarten, denn die Stadt wird lediglich von ihrer hässlichsten und deprimierendsten Seite gezeigt um eine düstere Atmosphäre zu erzeugen. Für die Zuschauer ist bedauerlich, dass Bukarest nicht sonderlich eingebunden wird und sich die Handlung im wesentlichen in heruntergekommenen, offensichtlich extrem billigen Sets abspielt. Ein Film wird durch Schauwerte nicht zwangsläufig aufgewertet und einer Low Budget-Produktion muss die Geldknappheit nicht zum Nachteil gereichen, wenn man aber, wie in ?Deader? merkt, dass das Geld an allen Ecken und Enden fehlte und dieses nicht durch entsprechende Inszenierungs- und Improvisierungskünste aufgewogen wird, vergeht einem recht schnell die Lust.
Dabei sind durchaus brauchbare Ansätze vorhanden, die ?Deader? letztendlich vor den tiefsten Wertungsregionen bewahren: Der Film strahlt eine angenehm düstere Atmosphäre aus, der Abstieg der Heldin verfehlt seine Wirkung nicht und Horror-Fans bekommen eine hinreichende Dosis Gore und T&A geboten, das ist immerhin schon mal was wert.
Ärgerlich ist aber, wie einfallslos sich des Hellraiser-Mythos bedient und damit deutlich gemacht wird, wie sehr die Luft aus diesem raus ist. Man rollt schon mit den Augen, wenn unsere Heldin ziemlich am Anfang den berühmten Würfel findet, am gleichen Abend an diesem herumspielt (man, mach Sachen!) und sich herausstellt, dass sie das mal lieber nicht hätte tun sollen (ist nicht wahr!). Die Würfeleffekte sind dabei verblüffend primitiv und schlecht inszeniert und wenn dann im Finale die berühmte Angelhakenszene aus dem ersten Teil wiederholt wird, mag man seinen Augen nicht trauen: Nicht nur, dass die Szene hier wesentlich primitiver als in Barkers Original eingesetzt wird (sie dient lediglich der Bestrafung eines Bösewichts, das war im ersten Teil durchaus vielschichtiger), nein, auch die Effekte sind deutlich primitiver als in ?Hellraiser? - und der ist bereits von 1987 und war ebenfalls eine Low Budget-Produktion. Das ist deprimierend.
Der offensichtlich auf DV aufgenommene Film strahlt handwerklich in keiner Disziplin Glanz aus, nur eine Szene, in welcher die Heldin den Abstieg körperlich spürt, erreicht eine ordentliche Intensität. Die Horrorfilm erfahrene Hauptdarstellerin agiert blass und Doug Bradley schlafwandelt als Pinhead durch seinen Gastauftritt und weiß ersichtlich nicht genau, was er da zu suchen hat. Das Drehbuch bietet immerhin einen angenehm absurden Schauplatz an, nämlich eine U-Bahn unter Bukarest, die anscheinend 24 Stunden herumkurvt und einer Horde S/M-Fans und Satanisten für eine Endlos-Party dient (sollte man gesehen haben!), weiß aber keine packende oder treibende Geschichte zu erzählen, so dass der Film sich nur mit Mühe über seine 88 Minuten Laufzeit schleppt und mit einem völlig einfallslosen Finale enttäuscht.
Natürlich weiß man als Fan, dass man bei einem Teil 7 keine Wunderdinge erwarten darf, aber wenn man mal einen Blick auf Pinheads Arbeitskollegen wirft, die kamen alle besser weg in ihrem siebenten Einsatz: Jason Vorhees durfte immerhin mal gegen eine Telekenetin antreten, Freddy Krueger zur Selbstreflexion ansetzen und Michael Meyers sein zwanzigjähriges Jubiläum feiern. Pinhead erledigt nicht mal Dienst nach Vorschrift.
Das ist auch für einen siebten Teil zu wenig.

Punkte: 4/10.

Die DVD von Dimension aus den USA (inzwischen fast ein Warn-Label für Videopremieren) bietet ein etwas verwaschenes Bild und das übliche Hyping Of, in welchem Regisseur und Hauptdarstellerin wortreich und vertraglich vorgeschrieben enthusiastisch vermitteln, wieviel ihnen der Film bedeutet und welche Freude sie bei seiner Herstellung hatten.

Hinweis: Nachdem ?Hellraiser VI: Hellseeker? von der FSK ungekürzt ab 16 durchgelassen wurde, hatte der Verleih sichtlich Mühe, den Fans zu versichern, dass der Film uncut ist. Ein FSK 16 ist bei Horror-Premieren auf DVD kein Segen, sondern ein Fluch, denn die Fans vermuten dann entweder Schnitte, oder dass bei dem Film ?nichts hintersitzt? (O-Ton).
Auch ?Deader? könnte, trotz einiger Gore-Szenen, durchaus uncut ab 16 durchgelassen werden, wenn die Prüfer bei der FSK einen guten Tag (leckeres Gebäck bei der Sichtung und so) haben, so dass der deutsche Anbieter dann wieder vor diesem Problem steht. Zwar sind die beiden neuen Hellraiser-Filme noch nicht angekündigt (Stand: Ende Juni), eine Veröffentlichung in hiesigen Gefilden dürfte aufgrund des berühmten Namens aber als sicher gelten.

Geschrieben von Oliver unter diesem Permalink in Film: Hollywood

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