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Donnerstag, 20.11.2008

Literarisches Stöckchen

Stöckchen nennt man in Blogs gewisse Fragenkatalogs-Aufträge, die weiter gereicht werden und häufig Spaß machen. Stöckchen kann man überreicht bekommen, oder sich klauen. Das folgende Stöckchen zu Lesegewohnheiten hatten sich bereits Maria und Kaddele geklaut, ich klaue jetzt von ihnen und senden einen herzlichen Gruß zu den beiden Damen, die nicht umsonst seit Jahren meine Blogroll zieren – weil ich einfach bei beiden gerne mitlese.

Fangen wir an. Fragen fett, meine Antworten folgen darauf:

Gebunden oder Taschenbuch? Eine Frage der Wertschätzung des Autors (auch ‚Degradierungen’ von einst HC auf jetzt TB sind möglich, selbst wenn das im Regal dumm aussieht, so geschehen u.a. bei Dean Koontz) und wie schnell ich ein Buch lesen möchte. Ansonsten bin ich gespalten: Hardcover sind schöner und haltbarer, Taschenbücher günstiger und handhabbarer. Hat alles seine Vor- und Nachteile.

Amazon oder Buchhandel? Amazon. Ich träume nachts schon von ONE KLICK™ und hänge mit Bild sicherlich in der Ehrengalerie der Amazon-Kunden auf den Geschäftsfluren. Im Buchhandel stöbere ich nur manchmal und lasse mich gerne inspirieren.
Insbesondere die ewig gleichen, einfallslosen Buchhandelsketten-Auslagen langweilen mich inzwischen über Gebühr. So bekomme die mich nicht in den Laden. Bei liebevoll gestalteten Buchhandlungen geht mir aber nach wie vor das Herz auf.

Lesezeichen oder Eselsohr? Ich mag schöne Lesezeichen. Und halte Eselsohren für mindestens Sachbeschädigung, eher eine Todsünde. Tod allen Bücherschändern!

Ordnen nach Autor, Titel oder ungeordnet? Romane immer nach Autor – und dann natürlich immer chronologisch, wie ich auch DVDs ordne. Genres werden, wenn möglich, zusammen gestellt, im Zweifel bekommt die Autor-Sortierung aber Vorrang.

Behalten, wegwerfen oder verkaufen? Behalten. Verkaufen ist ganz selten (Preise zu mies, gerade bei TBs), manchmal kommt sogar wegwerfen vor. Soll ich Autoren nennen, deren Werke ich schon mal komplett weg geworfen habe? Lieber nicht.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen? Wie, wegwerfen?!

Mit Schutzumschlag lesen oder ohne? Ich habe ihn auch wenn das Buch „dran“ ist gerne dran (wenn das Buch also auf dem Nachttisch oder einem anderen Tisch liegt), weil es schöner aussieht, nehme ihn zum konkreten Lesen dann aber häufig ab.

Kurzgeschichte oder Roman? Beides. Klare Präferenz aber zum Roman. Im Moment lese ich ganz gerne zwei Romane und einen Kurzgeschichtenband immer parallel. Ich brauche einfach Abwechslung und möchte nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit das gleiche Buch vor der Nase haben.

Harry Potter oder Lemony Snicket? Wer ist Lemony Snicket? (ist eine rhetorische Frage, auf den habe ich keinen Bock)

Aufhören wenn man müde ist oder wenn das Kapitel zuende ist? Wie, müde? Natürlich immer erst, wenn das Kapitel zu Ende ist, bzw. meine Seitenblöcke. Ich lese gerne in Blöcken von entweder 25 oder 10 Seiten. Nicht fragen warum, hat sich so vor Jahrzehnten bei mir eingebürgert. Schlafe ich vorher ein, lese ich entweder beim Aufwachen (auch mitten in der Nacht) zu Ende – oder bin doch zu müde und ärgere mich danach dann.

Kaufen oder leihen? Leihen war das mit diesem ‚zurück bringen’, oder? Das mag ich nicht.

Neu oder gebraucht? Darf gerne gebraucht sein, wenn es noch ordentlich aussieht.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern? Gerne Empfehlungen von Leuten, deren Geschmack ich gut einschätzen kann (noch heute danke ich Hannes Riffel für seine warmen Worte zu George R.R. Martins ASOIAF vor 11-12 Jahren in einem Newsletter..), auch sehr gerne Rezensionen.
Häufig, ja meist, ist es aber einfach ein Detail, was mich gleich für das ganze Buch interessiert. Stöbern und kaufen habe ich mir zum Teil abgewöhnt, weil ich halt doch dann gerne vorher noch mal online angucke, was über ein Buch so geschrieben wird. Bestsellerlisten finde ich sehr spannend und verfolge diese mit viel Interesse, aber nicht als Leseempfehlung (zu geschmacksinkompatibel – ich soll Nicholas Sparks oder Charlotte Roche lesen? nö); das hat für mich mehr etwas mit Pferderennen zu tun und dass ich gewissen Autoren Erfolg gönne oder nicht gönne.

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger? Eigentlich egal, aber wohl lieber abgeschlossen. Und vor allem stark. Starke Enden sind mir sehr wichtig.

Morgens, mittags oder nachts lesen? Drei mal ja. Frühstück, Mittagspause, Feierabend, vor dem Einschlafen, wann immer es geht. Da ich dem regulären TV-Programm fast nicht folge, kommt so einiges an Seiten am Tag und im Jahr zusammen.

Einzelband oder Serie? Egal. Da ich gerne Abwechslung habe und mit Perry Rhodan mich eh jede Woche mit einer Serie beschäftige, habe ich vor längeren Zyklen oder Serien häufig Hemmungen, diese anzugehen. Diese Hemmungen nehmen in letzter Zeit eher zu.

Lieblingsserie? Kann ich schlecht sagen. Dafür habe ich wohl zu wenige gelesen. Ich sage mal so: Ich lese seit gut 25 Jahren (mit großen Unterbrechungen) Perry Rhodan. Und wenn ich spontan antworten müsste, habe ich sicherlich nicht die anspruchvollsten, aber wohl die schönes Lese-Stunden überhaupt mit David Eddings’ „Belgariad“- und „Malloreon“-Saga verbracht, jeweils fünf Bücher. An diese Lesezeit denke ich noch warmherziger zurück, als an meine „Herr der Ringe“-Lesedurchgänge, was etwas heißen will.

Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat? Puh, so viel Super-Geheimkram habe ich wohl nicht gelesen. Ich nenne hier einfach mal „Das zweite Inferno“ von Larry Niven und Jerry Pournelle.

Buch, dass dich am meisten beeinfluss hat? Die Bibel und auch Dantes „Göttliche Komödie“.
Belletristisch war sicherlich Tolkiens „Herr der Ringe“ für mich ein epochales Erlebnis. Und ich möchte eigentlich auch „Der Terraner“ (Perry Rhodan, Band 1000) von William Voltz nennen, ohne dass ich das groß begründen kann, warum ich es hier mitnenne. Irgendwas muss es wohl bei mir ausgelöst haben, so häufig wie ich das im letzten Vierteljahrhundert zur Hand genommen habe, vor allem das „Graffiti“ (Fans wissen, was ich meine). Der Vollständigkeit halber gehören hier noch diverse Filmlexika und Filmsachbücher hin, die ich teilweise rückwärts auf Mandarin runterbeten kann, so häufig habe ich diese ge- und zerlesen.
Nächstes Frühjahr werde ich vier Prosa-Texte (vom dünnen Büchlein bis zum gigantischen Schinken) von einer Dame lesen, deren Werke auf sehr viele Menschen (hauptsächlich in den USA) einen großen Einfluss hatten; mal sehen, ob das bei mir auch so sein wird oder eher nicht. Ich meine Ayn Rand.

Welches Buch liest du gegenwärtig? Das sieht man, nebst tagesaktuellem Buchleseseitenzähler, immer auf meinem Nachttisch.
Im Moment (Mitte November 2008) lese ich in meiner Terminator-Lesereihe „Terminator Dreams“ von Aaron Allston, als Begleitlektüre zu Tellkamps Turm „Adam und Evelyn“ von Ingo Schulze und die Kurzgeschichtensammlung „Eine unberührte Welt“ von Andreas Eschbach.
In den jeweiligen ‚Slots’ stehen demnächst respektive an: Der bisher letzte Terminator-Roman (nächstes Jahr gibt es Nachschub) „Terminator Hunt“ von Aaron Allston , dann schließlich „Der Turm“ von Uwe Tellkamp und die Jahres-Anthologie „The Year's Best Fantasy and Horror 2008: 21st Annual Collection“ von Ellen Datlow und Kelly Link & Gavin J. Grant.

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten? Da würde ich dann „Der Herr der Ringe“ nennen.
Auf den Plätzen folgen „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury und „The Stand“ von Stephen King.
Und die drei spannendsten Bücher, die ich je gelesen habe: „Der Schutzengel (Lightning)“ und „Brandzeichen (Watchers)“ von Dean Koontz und „Der Schattenkrieg (Clear and Present Danger)“ von Tom Clancy. Jaja, alles moderner Bestseller-Kram, da ist mein Geschmack leider nicht so exklusiv, sorry. Was Klassiker angeht? Um auf dem Kaffeetisch etwas liegen zu haben: Wie gesagt „Die göttliche Komödie“ von Dante und wenn ich noch ein Stück nennen muss, wäre das „Romeo and Juliet“ von William Shakespeare, das sprachlich schönste Erzeugnis, was ich kenne.

Lieblingsautoren? Schwierig. Kann ich gar nicht sagen. In den 90ern hätte ich vermutlich auch ein sehr populäres Thriller-Dreigestirn genannt, das weniger Inhalte, sondern mehr die vorderen Plätze der Bestsellerlisten verbindet. Das kann ich heute aber nicht mehr: Der eine ist gerade gestorben (Crichton), einer ist aus Gesundheitsgründen in einer Art Vorruhestand (Clancy) getreten und einer schreibt nicht nur belanglose Romane, sondern seit langem auch langweilige belanglose Romane (Grisham), so dass ich mich längst von ihm abgewandt habe. Wen ich noch nennen sollte, auch wenn ich von ihm schon viele Gurken gelesen habe; trotzdem freue ich mich auf seine Neuerscheinungen seit zwanzig Jahren am meisten: Stephen King. Kaum ein umfangreiches Werk eines Autors kenne ich so gut wie seins, deshalb soll er hier genannt sein.

--


Over and out. Wer möchte, darf das Stöckchen gerne aufnehmen in seinem Blog.

Kommentare

Dirk van den Boom am 20.11.2008 - 17:55

Nein, nein, Oliver. ICH bin auf Platz 1 der Amazon-Ehrenliste. Schade, dass die nicht mehr wie früher an ihre besten Kunden Geschenk schicken :(

Torsten am 20.11.2008 - 23:19

Wollt ihr meinen Thron streitig machen?
BTW: Am WE wird das Stöckchen aufgenommen, wenn alles klappt ...

Nicole am 21.11.2008 - 08:29

Ich überlege noch, ob ich dir das Stöckchen klaue. Das Problem ist nur, ich fürchte meine Antworten würden in vielen der Fragen gleich aussehen. Bücher wegwerfen? Schutzumsschläge in den Müll? Wer macht den sowas? *schauder*

Dirk am 21.11.2008 - 08:33

Ich habe das Stöckchen aufgenommen, meine Antworten sind aber etwas knapper. Aber ich bin ja auch kein Fantasy-Autor, mir fehlt das Blumige in der Sprache.

Nicole am 21.11.2008 - 09:48

@ Dirk - Dito

Morn am 21.11.2008 - 11:41

Du weisst jetzt schon, was Du im Fruehjahr lesen wirst? Wie weit planst Du das im Voraus? Und haeltst Du Dich dann immer daran?

Dirk am 21.11.2008 - 13:30

Oliver ist ein methodischer Mensch. Der sitzt Sonntags mit Strickjacke und Krawatte vor dem Frühstückstisch und sortiert den Brötchenbelag.

Oliver am 21.11.2008 - 15:50

@Morn: Ich plane für mein Leben gerne so weit im voraus und, nein, ich halte diese Pläne nicht immer ein. Es macht ja auch Spaß, sich neue auszudenken. ;-)
Das ist auch genau der Grund, warum ich früher darüber (Lese- und Glotz-Pläne) hier mehr geschrieben habe als heute, es ist einfach wenig sinnvoll, zu weit im voraus hier zu erzählen und das dann nicht einzuhalten. Zumal solche Pläne meine geschätzten Leser auch eher weniger interessieren dürften.

Was Dirk da über mich schreibt, ist erschreckend, leider aber für ein Dementi nicht weit genug von der Realität entfernt. :-))

henteaser am 21.11.2008 - 22:33

"Und halte Eselsohren für mindestens Sachbeschädigung, eher eine Todsünde. Tod allen Bücherschändern!" - Also zumindest denen, die Taschenbücher soweit umknicken, dass sich Front- und Backcover küssen. Das habe ich bereits mehrmals in Bus und Bahn gesehen und es macht mich wahnsinnig.

Torsten am 22.11.2008 - 00:49

@henteaser: Unvergessen wird mir folgende Bemerkung bleiben, welche eine junge Frau in Begleitung ihrer Mutter (Großmutter?) beim Stöbern in der Auslage eines Buchladens von sich gegeben hat: "Taschenbücher die nicht zerfleddert sind, sind keine richtigen Taschenbücher!" Viel hätte nicht mehr gefehlt, und die Dame würde heute nicht mehr unter uns weilen ... Gehen solche Menschen auch in ein Museum und rollen die Gemälde zusammen?

Johach am 22.11.2008 - 16:40

Ich verleihe keine Bücher* mehr, seit ein Bekannter meinen Perry-Rhodan-Risszeichnungsband (diese Tapetenkatalogausgabe) seinem Neffen zum Ausmalen gegeben hat. Tolle Sache so ein Bluesraumschiff mit dunkelviolettem Innenraum ...

Seitdem gibt es bei mir weder Eselsohren noch Badewannenwellen oder Fingerabdrücke mit 70% Kakao, denn meine Bücher gehen nicht mit fremden Menschen nach Hause.

*) Nicht ganz, ich verleihe an exakt zwei Personen meines Vertrauens.

Torsten am 08.12.2008 - 22:32

So, das Stöckchen wurde - wenn auch etwas verspätet - in meinem Blog aufgenommen.

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