Dienstag, 09.10.2007
Gesehen: Zodiac - Die Spur des Killers
Drama von David Fincher, USA 2007, 151m11s (PAL)
Mit Jake Gyllenhall, Mark Ruffalo, Anthony Edwards u.a.
DVD (Warner), Ton: Englisch DD 5.1, Bild: 2,40:1 anamorph.


Ein zweites Mal sollte es David Fincher so gehen wie bei seinem modernen Klassiker „Fight Club (1999)“. Auch „Zodiac“ bekam Anfang des Jahres glühend positive Kritiken, und nur sehr mäßige Kassenergebnisse. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich auszurechnen, dass dies sicherlich damit zu tun hat, dass der Regisseur die naheliegende Vermutung: Zodiac-Killer + David Fincher =ein weiterer Film wie „SE7EN“ gründlich konterkariert hat. Bei gut 2 ½ Stunden langer Laufzeit ist sein „Zodiac“ keinesfalls ein Serienkiller-Thriller, sondern erinnert vielmehr an Alan J. Pakulas Watergate-Drama und Journalisten-Ode „Die Unbestechlichen“ mit Dustin Hoffman und Robert Redford.
Dabei meint man zuerst, dass man doch in einem neuen SE7EN mit der realen Figur des Zodiac-Killers sitzt, dominieren doch in der ersten halben Stunde die beiden spektakulären und in die Kriminalgeschichte eingegangenen, von Fincher bestechend inszenierten Pärchen-Morde den Film, die damals die Öffentlichkeit in Atem hielten.
Mit weiter voranschreitender Laufzeit verschiebt sich die Gewichtung dann deutlich und das eigentliche Ansinnen der Macher kommt zum tragen: Dieser „Zodiac“-Film will nicht die (sowieso nicht vollständige) Geschichte des Täters erzählen, sondern die Geschichte der Männer, Journalisten und Polizisten, die sich auf diesen Fall eingelassen haben und teilweise von seiner Sogwirkung für immer geprägt wurden. Die lange Laufzeit ist auch dringend notwendig, denn im Labyrinth der für diese Männer immer frustrierend vagen Hinweise und Indizien für Indizien für Indizien kann man sich schnell verlieren. Dabei geht es dem Film nur am Rande darum, diese Frusterlebnisse angesichts eines bis heute ungelösten Kriminalfalles nachzuerzählen, die Perspektive ist immer konzentriert auf die Männer selbst gerichtet, die mit dem Fall zu tun hatten. Die Sogwirkung und die –zugebeben nicht unerhebliche- Faszination dieses für den Film geschickt strukturierten Kriminalfalls überträgt sich dabei schleichend, aber unwiderstehlich auf den Zuschauer und nach kürzester Zeit hängt man an den Lippen der Darsteller, und die 2 ½ Stunden vergehen rasant wie im Flug. Unverständlich, dass dem Film von einigen Seiten Längen und mangelnde Action-Szenen vorgeworfen wurden, was wohl mehr mit enttäuschten Erwartungen zu tun hat.
Die Sogwirkung des Films wird verstärkt durch ausnahmslos klug besetzte und grandios aufspielende Darsteller. Insbesondere Jake Gyllenhall als Cartoonist Robert Graysmith und Mark Ruffalo als ermittelnder Polizist liefern exzellente Leistungen. Zu einem filmischen Ereignis wird „Zodiac“ aber dadurch, dass er handwerklich eine Galavorstellung darstellt. Der mit einer Digitalkamera fotografierte Film weist eine ungewöhnliche Tiefenschärfe auf, zusammen mit der die damalige Zeit grandios nachempfindenden Farbpalette kann man sich an den Bildern von „Zodiac“ einfach nicht satt sehen und mit Fug und Recht behaupten, einem der bestfotografiertesten Filme der letzten Jahre beizuwohnen. Aber auch alle anderen technischen Abteilungen sind eine Wonne, insbesondere die flüssige und elegante Montage die perfekten Kostüme, die Tonmischung und die Musikwahl sind hier zu nennen. Das Drehbuch von James Vanderbilt ordnet den Stoff äußerst geschickt und selbst eine Reihe Zeitsprünge am Ende gerieten so interessant und dem Thema angemessen organisch.
Kann man sich darauf einlassen, dass „Zodiac“ eben kein gewöhnlicher Serienkiller-Thriller ist, wofür man fast dankbar sein kann angesichts der Überfülle in den letzten fünfzehn Film-Jahren, erlebt man ein ganz und gar außergewöhnlich gelungenes Zeitdrama. Mit nur wenigen Filmen hat sich David Fincher in Hollywood einen solch fulminanten Nimbus und Ruf erarbeitet, dass vor fünf Jahren ein hervorragend inszenierter und gut funktionierender konventioneller Thriller wie „Panic Room“ schon als Enttäuschung empfunden wurde. Fünf Jahre danach empfiehlt sich David Fincher mit „Zodiac“ wieder sehr deutlich als einer der talentiertesten und interessantesten Regisseure im heutigen Hollywood.
Punkte: 9/10.
Die DVD von Warner wartet nur mit einem 26minütigen, aber recht interessanten Making Of auf. Bild und Ton sind Referenzklasse.
Per Trailer wird man bereits - darüber freut man sich, wenn man gerade diese DVD erworben hat - auf eine neu Edition mit einem Director’s Cut und vielen Extras verwiesen, die 2008 erscheint. Schönes Double-Dipping.
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Cover, Bild: Warner
Der Link hinter dem Cover führt zur Produkseite des Films bei meinem Partner Amazon.de.
Geschrieben von Oliver unter diesem Permalink in Film: Hollywood




