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Gesehen: Zwei Filme von Clint Eastwood

Posted on | März 17, 2011 | Kommentare deaktiviert

Im Nachgang zu meiner letzten Doppel-Besprechung aktueller Clint Eastwood-Filme nun seine zwei neuesten Werke seitdem: Das Sportlerdrama “Invictus” von 2009 und das spirituelle Melodram “Herafter” von 2010.

Invictus
Sportdrama von Clint Eastwood, USA 2009, 128 Minuten (PAL)
Südafrika, 1995: Nelson Mandela (Morgan Freeman) nutzt den Rugby World Cup zur Versöhnung der Rassen in Süd-Afrika. Er fordert die südafrikanische Mannschaft auf, inspirierend für das ganze Volk zu spielen, und das Wunder gelingt: Südafrika holt den World-Cup.
Wenn Morgan Freeman in den Spiegel schaute, musste ihm klar gewesen sein, dass er irgendwann einmal Nelson Mandela spielen müsste. Und das wurde dann in „Invictus“ nicht nur ein Selbstgänger, sondern ein Erlebnis: Wenn er im Sprachduktus Mandelas mit seiner ganzen Autorität sich konsequent für Versöhnung einsetzt, das sind beeindruckende und tatsächlich inspirierende Szenen. Die Rassen-Probleme Südafrikas stellt Eastwood exemplarisch und gelungen am Sicherheitsstab Mandelas dar und Matt Damon spielt als Mannschaftskapitän so überzeugend, dass man nicht vermuten würde, dass er jemals was anderes getan hätte als Rugby spielen.
Bis auf die aufregend inszenierten Spiele (denen man auch ohne Regelkenntnis folgen kan, erzählt Eastwood wieder gewohnt lässig und gemächlich, dabei trotz Überlänge keinesfalls langatmig. Kritiker haben dem Film vorgeworfen, dass er die realen Probleme Südafrikas allenfalls grob anreiße und die Rassenteilung bis heute nicht beseitigt sei. Nun, das hätte sich auch nicht geändert, wenn Eastwood sich mehr ‚angestrengt’ hätte, und ein Künstler darf seinen Focus beschränken. Immerhin: Dies ist ein inspirierender, schöner Film. Und, ja, man mag das Finale arg vorhersehbar finden, muss sich aber schon stark dagegen wehren oder ein sehr nüchterner Mensch sein, wen einem in den finalen Jubel- und Versöhnungsszenen nicht das Herz aufgeht, ja, schmilzt.
Punkte: 8/10
Gesichtet wurde die deutsche DVD.

Hereafter
Spirituelles Melodram von Clint Eastwood, USA 2010, 129 Minuten (NTSC)

Ein französisches Reporterpaar (Cécile de France, Thierry Neuvic) entgegen nur knapp der Tsunami-Katastrophe 2004. Ein kleiner Junger aus prekären Verhältnissen verliert seinen Bruder tragisch bei einem Autounfall und möchte mit ihm im Jenseits in Kontakt bleiben. Ein Medium (Matt Damon) möchte nicht mehr für andere Sitzungen durchführen.
Im hohen Alter ist es Eastwoods Markenzeichen geworden, mit für ihn ungewöhnlichen Themen zu überraschen. Trotzdem ist „Herafter“ selbst für ihn eine faustdicke Überraschung. Und eine in ihrer Heterogenität so spannende, wie ein dafür offenes Publikum voraussetzende Mischung: Am Anfang mitreißender, beklemmender Katastrophenfilm (die Flut-Welle ist brillant inszeniert und deshalb in diesen Tagen schwer erträglich, weshalb der Film auch in Japan aus der Kinoauswertung genommen wurde), dann ein Drama um Sinnsuche, dessen phantastische Elemente von Eastwood nüchtern (phantastische oder spirituelle Elemente werden nur sehr vorsichtig gestreift) und differenziert angegangen werden, aber eben nicht mehrdeutig. So wie er vor Scharlatanen warnt, scheint Matt Damon tatsächlich ‚the real deal’ zu sein. Ständige Schauplatz- und Genre-Wechsel überraschen konstant und machen den Film zum Erlebnis, die hinreißenden Darsteller und vor allem die offensichtliche Liebe Eastwoods für diese Figuren den Film zum kleinen Meisterwerk. Dass er als Regisseur auffällig souverän inszeniert und als Komponist einen seiner besten Scores geschrieben hat, runden den Eindruck ab: Mit inzwischen 80 Jahren hat sich Eastwood hier selbst übertroffen, und einen ungemein anrührenden, schönen und befriedigenden Film vorgelegt. Selbst das schon mutig dick aufgetragene Ende kauft man ihm da liebend gerne ab, ja man umarmt es.
Punkte: 9/10.
Gesichtet wurde die US-DVD.

Epilog:
Die nächsten Eastwood-Filme bespreche ich wohl nicht zusammen, der zeitliche Abstand wäre zu groß. Demnächst beginnen die Dreharbeiten zu dem Hoover-Film “J. Edgar” mit Leonardo Di Caprio für einen Kino-Start in 2012. Ich erhoffe mir davon für das FBI etwas ähnliches wie das, was Robert De Niro für die CIA mit “The Good Shepherd” versuchte, aber nicht geschafft hat, und hoffe auf einen etwas aufregenderen und ineressanteren Film als der von De Niro.
Danach plant Eastwood mit Beyoncé Knowles eine weitere Neuverfilmung von “A Star is Born”. Das erinnert mich daran, dass ich mir die bisherigen Verfilmungen von 1937, 1954 und 1976 endlich einmal ansehen müsste, da kenne ich keine von. Das werde ich demnächst mal machen.
Wollen wir hoffen, dass Eastwood noch die Kraft in seinem Alter behält, weiter drehen zu können.

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