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Gesehen: Zwei Filme mit Clint Eastwood

Posted on | März 17, 2011 | Kommentare deaktiviert

Besprechung zweier Frühwerke Eastwoods als Schauspieler. Beide von Brian G. Hutton als aufwändige WWII-Filme inszeniert: Der Thiller “Agenten sterben einsam” von 1968 und die Satire “Stosstrupp Gold” von 1970.

Clint Eastwood Retrospektive

Agenten sterben einsam
(OT: Where Eagles Dare)
Agenten-Thriller von Brian G. Hutton, USA/GB 1968, 155 Minuten (24fps)
Eine verzwickte Spionage-Geschichte um ein britisches Kommando-Unternehmen, das einen gefangen genommenen amerikanischen General aus einem Nazi-Schloss befreien soll.
Ein mit überirdischer Autorität ausgestatteter Richard Burton, Clint Eastwood als eiskalter Killer, Mary Ure als für die Entstehungszeit überraschend ebenbürtige Heldin und Ingrid Pitt als ebensolche Heldin, aber mit mehr Sex-Appeal, alleine gegen die gesamte Wehrmacht. Das hervorragende Schauspiel-Quintett wird komplettiert von Derren Nesbitt als spaghettiblonder SS-Offizier der in seiner liebenswerten Ekligkeit und Öligkeit einen der denkwürdigsten Nazi-Filmschergen aller Zeiten spielte.
Schweißtreibende Action-Szenen, eine so mitreißende Musik, dass es einen kaum im Sessel hält, ein unheimliches Nazi-Schloss und ein unerreichtes Ausmaß an Intensität über 2 ½ Stunden in einem uhrwerkartigen Action-Plot mit faszinierend ökonomischer Nutzung von Gegenständen, Fahrzeugen und dem Setting – das wurde so kaum jemals wieder erreicht. Der einzige Thriller, der über eine so lange Laufzeit ein vergleichbares Maß an Intensität vorweisen kann, ist James Camerons SF-Film„Aliens“ von 1986. In Zeiten postmoderner Ironie und einem Übermaß an grinsenden Action-Helden und coolen Sprüchen ist es eine Wohltat, mit welch grimmiger, ernster Entschlossenheit sich Burton und Eastwood hier durch völlig irreale Szenarien und riesige Gegner-Scharen schnetzeln. Am positiven Gesamteindruck ändert auch die recht schlampige Inszenierung mit Anschlussfehlern en gros und anderen Lustigkeiten nichts.
Nach wie vor ein begeisternder Höhepunkt des Action-Thrillers, einer der besten aller Zeiten.
Punkte: 10/10.
(leicht umformulierter Text einer Kritik von 2009)
Gesichtet wurde erstmals die Blu-Ray, die ein gestochenen scharfes Bild und eine angenehm klaren Ton präsentiert, der natürlich nur begrenzt wuchtig ausfallen kann, trotz einem DTS-Master Audio Upmix. Die Extras vielen sehr schmal aus.

Stosstrupp Gold
(OT: Kelly’s Heroes)
Kriegssatire von Brian G. Hutton, USA 1970, 138 Minuten (PAL)
Zwei Jahre nach „Agenten sterben einsam“ stand Clint Eastwood, inzwischen einer der größten Kassenmagneten überhaupt, einmal mehr für Brian G. Hutton in einem aufwändigen Action-Film vor der Kamera, diesmal aber kein Thriller, sondern eine Satire. Die ebenfalls im zweiten Weltkrieg spielende Geschichte handelt von einer bunt zusammengewürfelten Truppe, die hinter den Feindeslinien an der französischen Front eine große Menge Nazi-Gold rauben will.
Immerhin in einer Hinsicht dürfte „Stosstrupp Gold“ einmalig sein: Eine so unattraktive Exposition sucht ihresgleichen. Was in diesem Film in den ersten fast 30 Minuten an Konfusion, lärmender Nervigkeit, fehlgeschlagenem Humor und dunklen, unattraktiven Bildern geboten wird, das hat man so noch nicht erlebt. Nur mit übermenschlichem Willen möchte man hier weitersehen, und wird dafür nicht entlohnt. Der Film bildet sich mächtig was darauf ein, Donald Sutherland als Hippie in den zweiten Weltkrieg zu verpflanzen. Da heute von uns die Hippies zeitlich aber weiter weg sind, als damals der zweite Weltkrieg für die Flower Power-Generation geht dieser Gag völlig nach hinten los und sorgt nur für Desorientierung. Der Humor basiert vor allem darauf, dass unlustige Darsteller möglichst viel hektisch und laut vortragen, was schnell an Nerven und Nieren geht und nur schwer erträglich ist. Unterhaltungswert soll durch möglichst viele Explosionen erzeugt werden, die vielen leeren Action-Szenen implodieren aber. Und das über 2 ¼ Stunden lang. Da kann auch das halbwegs gut gelaunte und originelle Finale nichts mehr retten, allzu sehr ist man inzwischen als Zuschauer gegen den Film aufgebracht und durch die Überlänge geschleift.
Eine entsetzliche Fehlleistung von einem Film.
Punkte: 3/10.
Gesichtet wurde die britische DVD.

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